Café eröffnen: Bettina Sturm von Respekt Herr Specht spricht mit Cafégründern in der Interviewserie #AUFGEBRÜHT

Interview #1 – Café Lotti eröffnen: Im Gespräch mit Sabrina Lorenz, München

1 Veröffentlicht von - 2. Februar 2017 - #AUFGEBRÜHT - Café eröffnen, Gründergeschichten, Interviewserie, München

Ready, steady go! Hier ist der Startschuss für den Auftakt meiner Interviewserie #AUFGEBRÜHT – Café eröffnen. Und wen habe ich als erstes vor meinem Visier? Die quirlige, umtriebige Unternehmerin Sabrina Lorenz vom Café Lotti in München.

Sabrina habe ich bei unserer 2. Veranstaltung „Wieviel Persönlichkeit braucht eine Marke?“ vom „Foodentrepreneurs Club München“ kennengelernt. Hier sprang sie ganz kurzfristig ein für einen erkrankten Gesprächspartner. Toll! Ich war fix beeindruckt von der dynamischen Dame mit der schönen tiefen Stimme. Klasse, die weiß, was sie will und macht das auch. Sofort nach dem Abi eröffnet sie ihr Café Lotti. Sie verwirklicht ihren Traum vom eigenem Café und hat vom Start weg eine besondere Einstellung zu ihrer Rolle im Everyday Business:

Ich bin Unternehmerin. Ich arbeite an meinem Unternehmen aber nicht täglich in meinem Unternehmen.

Damit unterscheidet sie sich von vielen Cafébesitzern, die selbst 7/24 in ihrem Café arbeiten. Nicht jeder versteht das. Doch der Erfolg gibt ihr Recht: Das Lotti ist gerade sieben Jahre alt geworden! Glückwunsch!
Wie Sabrina ihr Lotti großgezogen hat, was sie auf dem Weg für Turbulenzen und Highlights erlebte und welche Tipps sie euch als Cafégründer gibt – das könnt ihr hier lesen. Aber erst noch fix einen Kaffee mit Herz machen…

Was ist das „Café Lotti“?

Das „Café Lotti“ ist ein zweites Wohnzimmer in der anonymen Großstadt, ein Ort an dem man gekannt wird und mit sorgfältig ausgesuchten Speisen und Getränken glücklich gemacht wird.

Das Besondere am Lotti ist die Einrichtung, die sehr mädchenhaft und verspielt ist.
Das passt auch gut zum Konzept, weil unsere Produkte von Freunden, Bekannten und Familie kommen. Wichtig ist mir dabei vor allem die Qualität, die Regionalität und dass sie mit viel Liebe hergestellt werden.

Dein USP – was ist beim Café Lotti anders als bei anderen Cafés?

Das Café soll den Menschen ein wunderschönes Gefühl übermitteln – dass sie sich hier wohlfühlen und praktisch so etwas wie ihr „Zweites Wohnzimmer“ in München haben.
Hier gibt es eine schöne Atmosphäre und eine gewisse Harmonie ist zu spüren. Wir möchten, dass der Gast hier eine schöne Zeit mit Freunden und Familie hat und dabei Gutes zu Essen und zu Trinken bekommt. Mein Motto für mein Café ist:

Leave people better than you found them.

Also mit anderen Worten, wenn die Leute hier rausgehen, sollen sie sich besser fühlen, als zu dem Zeitpunkt, als sie hier hereingekommen sind. Es hat sehr viel mit der Gefühlsebene zu tun, aber gleichzeitig spielt auch die Einrichtung eine Rolle, die eben sehr harmonisch, lieb und romantisch ausgerichtet ist. Dazu kommt natürlich das Essen und die Getränke, alles von uns mit viel Liebe ausgesucht und zubereitet. Das vermittelt auch wieder ein gewisses Vertrauen – das Wissen, dass man hier nur das Beste bekommt.
Gleichzeitig spielt auch mein Team eine sehr große Rolle, weil ich jemand bin, der sein Café eher wie ein Unternehmen führt, weniger als Gastronomie. Das heißt, es spielen auch andere Prozesse mit rein, als bei anderen, die ein Café oder sonstige Gastronomie haben. Deshalb ist es für mich sehr wichtig, dass das Team zu mir passt, zur Unternehmensphilosophie, dass die Mitglieder des Teams die gleichen Werte in sich tragen und auch die gleichen Ziele haben, was ihre Arbeit mit Menschen betrifft. Meine Mitarbeiter sind schon seit Jahren bei mir und leben mit mir quasi dieses Gefühl, diese Liebe zu den Menschen.

Motivation – Wann hast du gegründet? Und warum?

Ich habe am 01.12.2009 gegründet. Mit 20 habe ich im Mai Abitur gemacht, bin dann im Oktober 21 geworden und habe zwei Monate später mein Café eröffnen können. Während der Abizeit, so mit 17, 18 begann ich als Bedienung zu arbeiten und habe da gemerkt, dass ich eine Leidenschaft dafür habe. Ich bin sehr gern mit Menschen in Kontakt, rede sehr gerne mit ihnen, lache, höre ihre Geschichten höre und bekomme auch Impulse. Das war meine Motivation. Und ich wollte immer mal ein Café haben, weil mich dieser Umgang mit Menschen einfach so bewegt hat.

Nach dem Abitur habe ich erst einmal nicht gewusst, was ich machen sollte. Soll ich vielleicht studieren? Wohin geht mein Weg? Und dann haben wir – das heißt mein stiller Teilhaber und Ex-Freund Achim und ich – uns Mitte September 2009 zur Café-Eröffnung entschlossen und am 1. Dezember „Unser Lotti“ eröffnet.

Meilensteine – Was waren seit der Eröffnung die größten Meilensteine in deinem Business?

Ging ja alles sehr schnell mit der Eröffnung. So gab es nicht so viele Meilensteine.

Mit 16 …
war ich für drei Monate in England. Durch die Liebe zu England ist damals schon die Idee zur Einrichtung entstanden. Schon sehr bald wusste ich, was ich wollte: Wandvertäfelung, viel Rosa, Röschen, so im Laura-Ashley-Style. Das war da bereits schon sehr klar.

09/2009
An einem Sonntag waren wir bei Achims Cousine und haben uns dort über Cafés, Kaffeesorten, Kaffeetrinken usw. unterhalten. Auf unserem Rückweg nach Amberg haben wir beschlossen das wir das jetzt wirklich machen.
Dann haben wir uns direkt am Montag zusammengesetzt und innerhalb von ein paar Tagen haben wir den Businessplan geschrieben, eine Location gesucht und diese in München besichtigt.

12/2009
Vom Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung im September bis zur Eröffnung im Dezember hatten wir zweieinhalb Monate Zeit.

Adresse: Café Lotti, Schleißheimer Straße 13, 80333 München, Telefon: 089-61519197, www.cafe-lotti.de

Öffnungszeiten: Montag – Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Betreiberin: Sabrina Lorenz; Inhaber: Sabrina Lorenz & Achim Hüttner

Eröffnung: 1. Dezember 2009

Geschäftsmodell: Tagescafé mit Frühstück, Mittagessen und selbstgebackenem Kuchen

Besonderes: Verschiedene Events wie Vortragsabende, Strickclub, Business-Lunch, Schwangeren- und Neumütter Stammtisch

Mitarbeiter: 3 Vollzeit, 15 auf 450€ Basis

Grösse: ca. 60 qm

Kapazität: 32 Sitzplätze innen, 6 Sitzplätze draussen

Finanzierung: Eigen- und Fremdkapital

Umsatzverteilung: k.A.

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Sabrina Lorenz
seit 12/2009 – heute: INHABERIN / GESCHÄFTSFÜHRERIN CAFÉ LOTTI

Ausbildung:
2009 ABITUR
2014 BETRIEBSWIRT HWK
2014 – 2017 BWL-STUDIUM HOCHSCHULE MÜNCHEN
2015 – 2016 QUALITÄTSBEAUFRAGTE TÜV RHEINLAND
2016 FACHKRAFT FÜR CONTROLLING IHK

Berufserfahrung:
2007 – 2009 SERVICEKRAFT CAFÉ ZENTRAL AMBERG
2009 – HEUTE INHABERIN / GESCHÄFTSFÜHRERIN CAFÉ LOTTI
2011 – HEUTE SABRINA LORENZ BUSINESS CONSULTING


Im Café Lotti steht der Mensch im Vordergrund, sowohl die Gäste als auch die Mitarbeiter. Meine Mission ist es, Menschen glücklich zu machen. Wenn Gäste ins Café Lotti kommen, soll genau das passieren, indem wir ihnen einen Wohlfühlort schaffen, uns für sie als Mensch interessieren und sie mit den besten Produkten verwöhnen.

Finanzierung – Wie hast du dein Startkapital zusammenbekommen?

Wir hatten Eigenkapital und einen Kredit, den wir nach vier Jahren abbezahlt hatten.

Luftsprung – was ist das Schönste, was du mit dem Café Lotti erlebst?

Prinzipiell macht mir die Arbeit tagtäglich sehr viel Spaß – all die interessanten Leute, die zu uns kommen mit ihren verschiedenen Stories. Gleichzeitig ist das Lotti auch irgendwie wie eine Familie. Man freut sich jeden Tag, wenn man hereinkommt und die anderen wiedersieht.

Mein schönstes Erlebnis war der Filmdreh mit dem BR über das Café Lotti. Da haben wir zwei Tage in München und der Oberpfalz gedreht, Es wurde gezeigt, wie ich zu meinen Händlern fahre, die Eier hole, den Käse, den Kaffee usw. Da ging es also wirklich um das Café Lotti und um meine Story, und das war ein sehr, sehr schönes Erlebnis.

Aber auch die Facetten meiner täglichen Arbeit erfüllen mich immer wieder mit Freude. Sei es das ganze Social Media wie Facebook oder Instagram, die Fotos die wir dafür machen, die Führung meiner Mitarbeiter mit unseren Teamsitzungen, Schulungen und Mitarbeitergesprächen, die Buchhaltung oder auch die Strategie. Ich kann dort überall meine Stärken einbringen und mich voll ausleben.

Turbulenzen – Was waren die größten Schwierigkeiten im Gründungsprozess? Und danach?

Das erste Jahr war sehr anstrengend. Wir haben angefangen mit durchschnittlich neun Kunden pro Tag im ersten Monat. Im zweiten Monat kamen dann zehn, im dritten elf … da bekommst du schon mal echte Panik und fragst dich:

Geht’s so weiter? Wie geht es weiter? Was kann ich tun? Und was mache ich vielleicht falsch?

Dann hatten wir nach ein paar Wochen einen Wasserschaden. Wir kamen wir in der Früh rein, und das Lotti steht unter Wasser. Nach einem Jahr, Januar/Februar 2011, haben wir zwei Monate zumachen müssen und haben acht Wochen lang renoviert. Das war richtig schlimm: Wir hatten uns gerade langsam etabliert. Die Leute kennen dich und dann musst du zwei Monate wegen Wasserschaden zumachen.
Wenn ich heute die Möglichkeit hätte, die Böden selbst auszusuchen, dann würde ich nur noch mit Fliesen und Abläufen arbeiten.

Challenge – Was war die größte Herausforderung im Gründungsprozess/ danach/ im Daily Business?

Als die größte Herausforderung empfand ich die Räumlichkeiten und was das an Behördenkram so alles nach sich zieht. Bevor du den Mietvertrag unterschreibst, musst du dich mit den Behörden auseinandersetzen: Du musst mit der Lokalbaukommission und dem Kreisverwaltungsreferat kommunizieren, diese einladen und sagen: „Genau das und das habe ich vor. Ich plane die und die Küche mit den und den Lebensmitteln.“ Und dann geht es darum, ob das Ganze auch so genehmigt werden kann und möglich ist.

Dann geht’s weiter mit den Ämtern. Sind beispielsweise Außenplätze erlaubt? Benötige ich eine Abluft, oder genügt auch Umluft?

Auch mit den Anwohnern musst du Gespräche führen, damit es da keine Schwierigkeiten gibt. Diese Dinge haben am Anfang wirklich Nerven gekostet. Da stehst du kurz vor dem Ziel, bist deinem Traum ganz nah – und dann kommt wieder jemand und sagt: Die und die Genehmigung fehlt oder das oder dies oder …

Da es mit den Behörden aufgrund der vielen Genehmigungen nicht immer einfach ist, ist es ganz wichtig, dass du als Unternehmer über eine Persönlichkeit verfügst und die richtige Art hast, mit solchen Situationen umzugehen und mit diesen Menschen in einem guten, kameradschaftlich-freundschaftlichen Verhältnis stehst, denn auch sie müssen sich an gewisse Regeln und Vorgaben halten und können oft nichts dafür.

Tipps: Was sind deine 3-Top-Tipps für heutige Cafégründer? 

  1. Lass dir genug Zeit und überlege genau, was du willst und warum du eigentlich ein Café eröffnen willst. Du brauchst wirklich ein gutes Konzept. Ich glaube nicht, dass es heutzutage noch funktioniert, einfach hinzugehen und zu sagen: „Ich mach jetzt einfach ein Café ums Eck auf und biete da Kaffee und Kuchen an.“ Stattdessen musst du dir bewusst machen: „Was ist mein USP, worin unterscheide ich mich von anderen?“ Das ist ein Prozess und mein Tipp 2.
  2. Schau dir an, wie in anderen Cafés gearbeitet wird, was sie anbieten und was sie Besonderes haben. Welche Möbel werden dort verwendet, wie sind die Mitarbeiter gekleidet? Welche Gerichte haben sie, wie schaut die Speisekarte aus? Man sollte sich also für den Vorprozess wirklich genügend Zeit nehmen, um diesen Weg zu gehen und im Zweifelsfall auch wieder zu eruieren „Nein, das ist es doch nicht“.
  3. Es macht Sinn, dass du dir überlegst, wie lange du das Ganze eigentlich machen willst. Es macht einen Unterschied, ob du dir sagst: Ich mache das jetzt die nächsten paar Jahre oder „Das möchte ich jetzt mein restliches Leben machen.“ Wenn ich beispielsweise als Frau mit 25 Jahren ein Café eröffne, sollte ich mir schon überlegen, ob ich Kinder haben möchte. Was passiert dann? Oder will ich vielleicht nochmal für eine Weile ins Ausland gehen? Dann funktioniert mein Caféplan wahrscheinlich auch nicht. Es ist ein Unterschied, ob du das eigene Café als permanente Lebenserfüllung betrachtest oder eher die Einstellung hast: „Ich mach das jetzt zehn Jahre, und dann suche ich mir wieder was anderes.“

Ist das eigene Café eröffnen deine Lebensvision? Oder machst du das jetzt ein paar Jahre und machst dann was anderes?

Schwerpunkt 2017: #AUFGEBRÜHT – Café eröffnen

Sabrina Lorenz ist mit ihrem Café Lotti die Starterin in der 20-teiligen Interviewserie mit Cafégründern. Jetzt gibt es jeden Donnerstag ein neues Cafégründer-Interview. Freut ihr euch?

Die Interviewserie ist Teil von #AUFGEBRÜHT – Café eröffnen und 2017 der Themenschwerpunkt beim Specht. Und das serviere ich euch:

  1. 20-teilige Interviewserie Café eröffnen mit Cafégründern aus Deutschland
  2. Das eine Ding – Research direkt am Tresen
  3. Onlinekurs mit Schritt-für-Schritt-Anleitung Café eröffnen – ab Herbst 2017.  Du willst nichts vom Kurs verpassen? Dann trage dich hier in die Interessenten-Liste ein. Ich halte dich auf dem Laufenden.

Du hast vor ein Café zu eröffnen und schon jetzt Lust dich mit anderen Cafégründern und mir auszutauschen? Lust mit deinen Fragen auch den Kursinhalt mitzugestalten? Dann komme in meine geschlossene Facebook-Gruppe: #AUFGEBRÜHT – Onlinekurs Café eröffnen. Ich freue mich auf dich!

Bettina Sturm – Buchautorin * Bloggerin * Unternehmerin

Bettina Sturm mit ihrem Herzensprojekt "Respekt Herr Specht!" - Stürmische Interviews mit Food-Quereinsteigern#TraumVerwirklichen #WissenWeitergeben #AUFGEBRÜHT!
Beim „Specht“ gibt es Erfolgsrezepte für Food- und Gastro-Start-Ups, mit Fokus auf die Zielgruppe Quereinsteiger. Das brennendste Problem meiner Zielgruppe ist die fehlende Erfahrung bzw. Nicht-Wissen aus Gastronomie und Existenzgründung. ‬‬‬‬‬‬‬‬‬‪Dafür habe ich Feuerlöscher entwickelt: Gründerinterviews, Gründertagebücher, Experteninterviews und mein 1. Buch „Ran an die Buletten!“.  2017 hat der Specht das Schwerpunktthema Café eröffnen. Im Herbst erscheint dazu der
Onlinekurs „Café eröffnen“. Unter @geniesserspecht twittere ich und poste auf Instagram. Auf Facebook bin ich hier zu finden. Auf das noch mehr leidenschaftliche Quereinsteiger unsere GenussWelt leckerer, besser und bunter machen!
sturm(at)respektherrspecht.de | www.respektherrspecht.de

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