Bettina Sturm vom FoodPreneur Blog "Respekt Herr Specht" interviewt die Gründerin vom Food Entrepreneurs Club Stefanie Rothenhoefer

The Food Entrepreneurs Club – Interview mit Gründerin Stefanie Rothenhöfer

1 Veröffentlicht von - 12. Mai 2016 - Foodpreneur werden, Netzwerken

Wenn ich Gründer aus dem Food- und Gastrobereich frage: Was hättest Du Dir in der Gründungsphase gewünscht? Oder auch jetzt? – kommt oft die Antwort: „Austausch mit Gleichgesinnten, mit anderen Quereinsteigern zu Themen, die mich gerade umtreiben.“
Nachgefragt fühlen sich viele Gründer recht allein mit ihren Herausforderungen. Sie wünschen sich ein Netzwerk, wo sie mal jemanden zu ihren Anliegen fragen können.  Gerne würden sie auch selbst Tipps und Tricks weitergeben, damit andere nicht das gleiche Lehrgeld zahlen müssen.

Genau für diese Zielgruppe gibt es seit 2014 den Food Entrepreneurs Club – kurz FEC. Stefanie Rothenhöfer hat dieses Netzwerk in Berlin gegründet. Seit Februar diesen Jahres gibt es das erste Kind – den Food Entrepreneurs Club München – kurz FECMUC. Ausschlaggebend für die Netzwerkgründung waren Steffis‘ eigene Erfahrung, verbunden mit der Maxime „Sharing is caring“.  

Heute sprechen Steffi und ich über die Entstehungsgeschichte und Zukunftsziele des FEC. Klären, ob der FEC noch mehr Kinder bekommt. Und woher eigentlich ihre Liebe zum Essen kommt. 

Was ist der Food Entrepreneurs Club (FEC)?

Der FEC ist eine Business-Plattform für eine neue Generation von Food-Unternehmern. Diese FoodPreneure haben entweder frisch gegründet, sind bereits fortgeschritten mit ihrem Business oder  etabliert am Markt. Diese Zielgruppe nimmt ihre Berufung ernst, handelt qualitätsgetrieben und stellt mit ihren Konzepten die alte Gastronomiewelt auf den Kopf. Wir bieten verschiedene Formate um Gründern den Einstig ins Business zu erleichtern:

  • Unterstützung mit Wissen
  • Teilen von Ressourcen mit Unternehmern, die vor besonderen Herausforderungen stehen
  • Workshops für alle Wissenshungrige, die neue Inspirationsquellen suchen

Für uns ist das Netzwerken der Akteure untereinander, z.B. auf Events, auf dieser Plattform und über Social Media – die Grundlage, um als Community neue Wege zu etablieren.

Als regelmässiges Event hat sich der FEC-Tuesday etabliert. Was genau passiert da?

Der FEC Tuesday ist eine Veranstaltungsreihe, die passionierte Food-Unternehmer und Produzenten mit ambitionierten Experten und Querdenkern zusammenbringt. Dabei kommt immer ein branchenrelevantes Thema auf den Tisch, das die Moderatoren mit spannenden Gästen diskutieren. Im Anschluss werden Fragen aus dem Publikum beantwortet. Danach gibt es Zeit fürs Netzwerken untereinander.
In Berlin hatten wir schon spannende Themen wie „How to open a Restaurant?“, „How to found your business“ , „Holy Fail“ und mehr. In München hatten wir unseren Auftakt-FECMUC-Tuesday in Kooperation mit der IHK München zum Thema Crowdfunding FOOD.

Da weise ich doch gleich mal auf die nächsten Veranstaltungen hin:
München: 31.05.2016 #2 FEC TUESDAY MÜNCHEN – Wieviel Persönlichkeit braucht eine Marke?
Berlin: 14.06.2016 #6 FEC TUESDAY BERLIN – How to find the right investor?

Was ist denn der USP vom FEC?

Bei uns steht der Slogan „Do the right thing and make profit” im Vordergrund. Alle unsere Interviewpartner, Referenten und Experten handeln nach diesem Grundsatz. Die individuelle Geschichte des Unternehmers steht bei uns im Mittelpunkt. Und andrer Gründer und Unternehmer können sich von den Geschichten inspirieren lassen. Da kann jeder von der persönlichen Geschichte und über die Erfahrungsberichte lernen.
Wir sind ganz bewusst nicht so eine Beratungsgeschichte mit erhobenem Zeigefinger, sondern das soll ein Miteinander sein. „Sharing is caring“ ist unsere Maxime.

Sharing is caring ist unsere Maxime beim FEC – Stefanie Rothenhöfer

„Magic Moment“ vom FEC – Kannst du dich noch genau an den Moment erinnern, wo du dachtest: „Ja, diesen FEC, das mache ich jetzt!“

Mit einer Partnerin gemeinsam hatte ich hier in Berlin ein kleines feines Cateringunternehmen aufgebaut. Und obwohl wir beide Hotel- und Gastronomiemanagement studiert hatten, den gleichen BWL-Background hatten, beide bei Feinkost Käfer das Praktische gelernt haben, hatten wir in unserer Gründung immer so Momente wie: „Okay, wir machen wir das jetzt mit der Steuer, der Steuererklärung etc.?“ Wir hatten keinen Steuerberater und hätten uns eine Anlaufstelle gewünscht, wo Du einmal im Monat hingehen kannst und Fragen zu bestimmten Themen loswerden kannst. Beratung für Gründerfragen für einen schmalen Taler. Und die Antworten müssen ja gar nicht so detailliert sein, sondern das Wichtigste ist, dass man mal jemanden fragen kann. Und dann kam zum ersten Mal die Idee: Das sollten wir ins Leben rufen!

Zu der Zeit haben wir uns das Büro mit zwei anderen Startups geteilt und uns natürlich untereinander ausgetauscht. Da habe ich meine Idee zum ersten Mal erzählt und alle waren davon begeistert. Aber die Zeit war damals noch nicht reif. Ich steckte tief in meinem eigenem Business und hatte selber keine Zeit, sowas zu organisieren.

Und dann stand 2014 das Festival „Stadt, Land, Food“ vor der Tür. Da habe ich mir gedacht: „Okay, das ist jetzt der perfekte Moment um so ein Format zu etablieren.“ Und dann habe ich es einfach gemacht: Ein Tag für Gründer war das erste Symposium und lief dann sehr erfolgreich während des Festivals „Stadt, Land, Food“.

Meilensteine vom FEC

Ein sehr wichtiger Meilenstein, war das oben bereits angesprochene erste Symposium am 03. Oktober 2014 – „Ein Tag für Gründer“ während des Festivals „Stadt, Land, Food“. Da haben Cynthia Barcomi und Tom Michelberger vom „Michelberger Hotel“ von ihren Erfahrungen berichtet. Danach standen Beide Rede und Antwort. Es gab weitere Podiumsdiskussionen. Das war ein total spannender Tag und hat guten Anklang gefunden.

Dann am 27.01.2015 der erste FEC-Tuesday „How to open a restaurant“ auf der Baustelle vom „Nobelhart & Schmutzig“ bei Billy Wagner. Billy hat mittlerweile für sein Restaurant einen Stern bekommen. Das war echt eine richtig, richtig gute Veranstaltung.

Dann die Next Organic letztes Jahr. Das war auch ein toller Tag mehr im Kongress-Format. Da hatten wir spannende Podiumsdiskussionen. Und dann gab es zum ersten Mal die „Pingpong-Area“. Dort standen Experten zu verschiedenen Themen für einen gebuchten Timeslot Rede und Antwort.

Und der letzte große Step war die neue FEC-Website mit neuem Angebot, die am 30.03.16 life gegangen ist.

Der FEC bekommt Kinder. Das erste kam in München zur Welt

Ja, der FEC wird regional. München ist das erste Kind. Ich wünsche mir aber noch mehr Kinder. Es wäre wunderbar, wenn sich für andere Städte genau so ein tolles Team wie in München findet. Dann können wir mit noch mehr Kraft das Thema „Do the right thing and make profit“ weitertragen. Gründer orientieren sich an diesem Leitsatz. Und dann haben wir bald in ganz Deutschland oder bestenfalls in ganz Europa nur noch gutes Essen und Trinken, frei von E-Stoffen von richtig gut nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen.

Deine Liebe zum Essen. Woher kommt die eigentlich?

Essen und gute Grundstoffe dafür spielt bei uns in der Familie schon immer eine grosse Rolle. Mit diesen Werten bin ich aufgewachsen. Meine Eltern hatten einen großen Garten am Haus – einen Bio-Garten, bevor man das Bio-Label kannte. Meine Mutter baute ihre Sachen nach dem Mondkalender an – im Demeter-Style.
Irgendwann haben meine Eltern noch ein 2 ha grosses Landstück dazu gepachtet und bewirtschaftet. So hatten wir immer frische Sachen. Damit bin ich aufgewachsen und großgeworden.

Mein Vater hat immer unter der Woche gekocht und am Wochenende dann meine Mutter. Essen war in unserer Familie immer was Wichtiges. Wir hatten das grosse Glück, dass wir jeden Mittag als Familie gemeinsam gegessen haben.  Eigentlich bis ich dann ausgezogen bin.

Deswegen war Essen immer schon total wichtig für mich, aber irgendwie auch selbstverständlich. Also wenn man jetzt darüber spricht, da sagen alle „Wow!“. Aber für mich als Kind war es das nicht. Es war natürlich wow, weil es ein gutes Gefühl war. Aber es war halt normal.

Auch meine beiden Omas kommen aus landwirtschaftlichen Familien. Meine eine Oma hatte ganz früher noch Hasen und Hühner. Da haben wir immer die Eier bekommen. Wenn die Tiere dann geschlachtet wurden, haben wir dann die Schlacht, also die Tiere, bekommen. Ich bin mit dem aufgewachsen, was jetzt die Städter alles toll finden. Oder was ich selbst als Städter jetzt in der Stadt probiere, dass ich mein Fleisch von einem Bauern, den ich kenne, außerhalb der Stadt beziehe.

Und dann?

Mit 16 Jahren war ich zum allerersten Mal mit meinen Eltern in Paris. Ich war von dieser Stadt so begeistert und auch von diesem ganzen kulinarischen Angebot. Ich bin sehr frankophil, weil wir immer unsere Urlaube in Frankreich verbracht haben und ich das auch heute noch tue. Nach dem Abitur war für mich klar, dass ich erstmal mir ein Jahr mir eine Auszeit nehmen und nach Paris gehe.
Dort habe ich zwar ein bisschen Deutschunterricht gegeben, gebabysittet und die Stadt erkundet, aber hauptsächlich habe ich gegessen. Das war nochmal ein wichtiger Grundstein für mich, so dass ich dann gesagt habe: „Okay, das will ich – ich will einen Beruf mit Essen machen.“
Aber wenn ich jetzt so nachdenke, habe ich schon ganz früh in der Gastronomie gearbeitet. Mein erstes Schulpraktikum habe ich im Veranstaltungsbüro eines Fünf-Sterne-Hotels gemacht. Als ich so 14 Jahre alt war kam damals dieser Beruf Event-Manager oder Veranstaltungskauffrau/-kaufmann gerade neu raus. Da war mir schon klar, dass ich irgendwas mit Gastro machen will. Schon parallel zur Schule habe ich in diesem Hotel im Verantstaltungsbereich und F&B-Bereich gejobbt.

Später hatte ich viele Café-Jobs und dann eben diese Paris-Geschichte, die mich nochmal bestärkt hat.

Wir bleiben beim Essen. Stell Dir vor, Du könntest drei Berühmtheiten zum Abendessen einladen? Wer wäre das und warum?

Pablo Picasso, weil ich so viele Fragen an ihn habe. Dom Pérignon, um ihm zu danken, dass der das beste Getränk der Welt erfunden hat (welches er hoffentlich dabei hätte! ) und Jon Stewart, weil er es schafft, mich bei jeder Gelegenheit zum Lachen zu bringen. Ich frage mich, ob die drei sich verstanden hätten.

Wer jetzt Appetit auf den FEC bekommen hat und Steffi gerne life in Action treffen will, der hat am Dienstag, den 31.05.2016 ab 19:30 Uhr in München dazu Gelegenheit. Der FECMUC richtet seinen 2. FEC-Tuesday mit dem Thema „Wie viel Persönlichkeit braucht eine Marke“ aus. 

Foodentrepreneurs-Club-Wie-viel-persoenlichkeit-braucht-eine-markeImmer mehr Marken setzen auf die eigene (Gründer-)Person, stellen einzelne Protagonisten in den Vordergrund und inszenieren ihre Story als Verkaufsargument. Selbstinszenierung ist mit der verändernden Mediennutzung ein wichtiger Marketingfaktor geworden.
Doch wie viel Persönlichkeit braucht eine Marke tatsächlich? Stimmt die Rechnung: Mehr Persönlichkeit gleich höhere Verkäufe? Lohnt der Aufwand den Nutzen überhaupt? Und wie wird man eigentlich zu einer Marke?

Diese Fragen diskutieren wir mit Klaus St. Rainer von Goldene BarTimo Thurner von Aqua Monaco und Markenberaterin Maren Martschenko.

Hier gibt es mehr Infos und die Anmeldung. Wir freuen uns auf Euch!

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