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Foodtruck eröffnen: Interview mit Isabella Hener – Foodtruck „Die intolerante Isi“, München

3 Veröffentlicht von - 14. April 2015 - Gründergeschichten, München

Wie Kam „Die intolerante Isi“ auf den Radarschirm vom SPECHT?

Im Dezember 2014 schickte mir Manuela Meillinger einen Tweet: “Tina, das ist bestimmt für Dich interessant – die intolerante Isi“. Ich las intolerant und dachte: Was soll ich mit einer Intoleranten! Einer meiner grössten Werte ist Toleranz!
Ein paar Tage danach dachte ich nochmals an den Tweed: „Mmh, wenn Manuela mir was schickt hat es bestimmt was mit Essen zu tun.“ KLICK auf den Link im Tweed und auf ging ein Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ zum Thema Foodtrucks. Der Groschen fiel und ich dachte: „Die intolerante Isi“ – was für ein gelungener Name für einen Foodtruck mit Zielgruppe Nahrungsmittelunverträglichkeiten!
An einem seeehr windigen, fiesen, kalten Wintertag besuchte ich Isi mit ihrem Foodtruck erstmals auf … . Erst mal stärken: Mit dem lecker duftenden Hühnercurry verzog ich mich ins Innere der Hochschule. Das orangefarbene Curry machte mich schon vom Ansehen wieder warm. Und superlecker wars. Für meine Jungs zuhause nahm ich „Oreo Whoopies“ mit. Die avancierten sofort zu den neuen süssen Lieblingen!

Was ist die „Intolerante Isi“?

„Die intolerante Isi“ ist der erste Food Truck dessen Angebot auch für alle mit Lebensmittelunverträglichkeiten gestaltet ist.

Dein USP – was ist bei der “Intoleranten Isi” anders als bei anderen Foodtrucks?

Ich biete verschiedene herzhafte und süße Sachen an, die auch für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten geeignet – also z.B. laktosefrei, glutenfrei, fructosearm oder vegan sind. Das genaue Know-How darüber welche Zutaten für wen verträglich und geeignet sind ist dabei inklusive. 😉

Außerdem besteht „Die intolerante Isi“ nicht nur aus dem Food Truck – es werden auch Caterings und ab diesem Sommer spezielle Koch- und Backkurse zum Thema Unverträglichkeiten angeboten.

Name
Isabella Hener

Titel/ Jetziger Job
Seit 05/ 2014: Gründerin & Inhaberin „Die intolerante Isi – Foodtruck – Catering – Koch-und Backkurse für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten“

Heimatstadt
München

Ausbildung
2006: Kauffrau für Marketingkommunikation, Mengle PMC GmbH
2010: Mediendesign, Bachelor of Arts, Mediadesign Hochschule München

Vorherige Jobs
2012 – 2013: Motion-Graphics-Designer/ Projektmanager, OPIUM effect GmbH
2011 – 2012: Trainee Motion-Graphics-Design/ Projektmanagement, OPIUM effect GmbH
2011: Kontextdesign und Vorentwicklung, BMW Group Design

Die Mission ist es auch jedem mit einer Lebensmittelintoleranz das „Auswärts Essen“ wieder ohne Probleme und ewiger Fragerei zu ermöglichen. Dabei werden vor allem frische regionale und saisonale Produkte verwendet und die tierischen Produkte haben Bio-Qualität. Das alles ganz ohne Geschmacksverstärker und sonstige Zusatzstoffe, also nicht nur etwas für „Intolerante“.
„Die intolerante Isi“ – Foodtruck – Catering – Koch-und Backkurse
für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten“
Deisenhofenerstrasse 77, Aufgang 2
81539 München

Tel: 0176/ 389 457 34
www.die-intolerante-isi.de
fb: facebook.com/dieintoleranteisi
twitter: @dieintoleranteisi

Standplätze des Foodtrucks wechseln täglich – Standplan online auf der Homepage

Weitere Veranstaltungen: Catering, Koch- und Backkurse

„Die intolerante Isi“ – wie kam es zu diesem Namen?

Puuuh, an der Namensfindung habe ich ewig lange rumgekrebst. Im Namen sollte sich widerspiegeln um was es bei mir geht und was mein USP ist. Gar nicht einfach! Fachbegriffe wie Nahrungsmittel- oder Lebensmittelunverträglichkeiten klingen total unsexy. Als nächstes habe ich versucht zu umschreiben, was ich mache. Da wurde der Name viel zu lang.
Letztendlich war ich dann ganz pragmatisch unterwegs: Ich hatte bereits im Januar 2014 mit meinem Blog „Die intolerante Isi“ gestartet. Der Blog hatte sich inzwischen eingebürgert: Da brauche ich für Firma und Truck keinen neuen Namen mehr.

Magic Moment – Kannst Du Dich noch genau an den Moment erinnern, als Du dachtest: Ja, jetzt mache ich mich mit einem Foodtruck selbständig?

So einen Moment wie „Scheiss drauf, ich mache jetzt was anderes“ hatte ich so nicht. Es hat seine Zeit gedauert bis die einzelnen Mosaiksteinchen sich zusammenfügten.

Meilensteine – Was waren die wichtigsten Schritte bis „Die intolerante Isi“ zum 1. Mal als Foodtruck unterwegs war?

Von Februar bis April 2013 hatte ich mir eine berufliche Auszeit genommen und bin durch Neuseeland und Australien gereist. Wow, da gibt es so viele wunderbare Cafés und Restaurants. Bei den tollen Angeboten dort ist mir das Wasser im Munde zusammengelaufen“. Und trotz meiner Nahrungsmittelunverträglichkeiten habe ich immer wieder probiert. Leider nicht ohne später die Quittung in Form von Bauchschmerzen zu bekommen.
Auf dieser Reise hatte ich erstmals den Gedanken: „Mensch, es wäre doch toll, wenn es einen Laden geben würde, wo alle Menschen mit Nahrungsmittel-Intoleranzen hingehen könnten. Dort wissen sie dann genau, was sie bekommen“.
Dieses Hirngespinst begleitete mich nach meiner Rückkehr nach Deutschland fortwährend. Zunehmend nervte es mich, dass ich bei meinem Essen in Restaurants immer nachfragen musste: Ist da Milch drin? Dann wussten die Servicekräfte das nicht. Blöd! Da kam es wieder: Es wäre doch toll, den „intoleranten“ Menschen Essen anzubieten. Da wissen sie, was sie bekommen. Mmmh, es gibt zwar vegane Restaurants. Aber nur weil man Nahrungsmittelunverträglichkeiten hat muss man ja nicht auf Fleisch verzichten. Da tat sich meine Nische auf.
Jetzt begann ich Research zu machen: Wie sieht das bisherige Essensangebot für meine spezielle Zielgruppe aus? Ich startete eine Umfrage mit betroffenen Personen. Die Ergebnisse waren sehr motivierend: Der Bedarf ist da! Und er wird in der Zukunft – mit der zunehmenden Wahrnehmung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten – weiter wachsen.
So begann ich meine Geschäftsidee parallel zu meinem Job in der Agentur, zu konkretisieren.
12/13: Ich kündigte zum Ende des Jahres. Sagte mir: Ich mache das jetzt! Wenn ich scheitere, kann ich immer noch wieder zurück ins Marketing gehen. Meine Erfahrung nimmt mir keiner! Aber es bringt mir nichts noch weitere 30 Jahre zu arbeiten und dann zu denken: „Ach, hätte ich das damals doch gemacht.

01/14: Ich starte mit meinem Blog „Die intolerante Isi“
04/14: Hier wollte ich eigentlich – laut Businessplan – loslegen. Aber da hatte ich noch gar keinen Truck bzw. er war noch nicht umgebaut
04/14: Truck gekauft
05/14: Crowdfunding für den Umbau des Trucks
07/14: Fertigstellung Umbau Truck
08/14: Start: Mitten im Sommerloch zu starten war ungünstig. Ich wollte raus mit meinem Truck! Aber in Deutschland kann man sich nicht einfach irgendwo hinstellen. Du brauchst entweder eine Sondergenehmigung der Stadt z.B. für ein Strassenfest oder eine Genehmigung der Firma, wo Du Deinen Truck hinstellen willst. Ich hatte wahnsinnige Schwierigkeiten verantwortliche Personen zu erreichen. Die Zuständigen in den Ämtern für waren in Ferien und auch die Zuständigen in den Firmen existierten auch nicht zu erreichen.
Ab 11/14 gings dann aufwärts: Erste Standplätze auf Firmenparkplätzen waren gefunden, Buchungen für Caterings kamen rein. Die ersten Kooperationen von Münchner Foodtruckern für „Holy Food Truck Market“ am 17.12.2014 am Amerikahaus machten Mut.

Finanzierung – Wie hast Du Dein Startkapital zusammenbekommen?

Die grundsätzliche Idee war mit einem Business-Plan die Finanzierung über eine Bank zu wuppen. Das hat nicht funktioniert: „Zu unsicher und nicht erprobt“ war die Aussage. Somit musste ich nach Alternativen Ausschau halten.

Sehr erleichtert war ich, als ich von einem grossem Fan von mir und meiner Idee ein Privatdarlehen bekam, das xx % der Gesamtfinanzierungssumme ausmachte.

So sah meine Finanzierung aus:

  • Privatdarlehen
  • Gespartes
  • Crowdfunding
  • Gründungszuschuss

Support – Wer waren die größten Unterstützer im Gründungsprozess? Und heute?

Mein Freund, der mich von meinem ersten Hirngespinst an unterstützt hat.

Und einige meiner Freundinnen. Sie hatten immer aufbauende Worte und gaben mir mentale Unterstützung.

Spannend war in meinem Gründungsprozess, wie sich zeigte: Wer ist wirklich Freundin und wer nicht. Einige begannen mich abzuwerten: Wieso gehst Du von Deinem tollen Bürojob jetzt in die Küche. Ausserdem musste ich jetzt mein Geld richtig zusammenhalten: Ständiges Ausgehen, teure Frisörtermine standen nicht mehr an. Einige meiner Freundinnen konnten das nicht nachvollziehen und wandten sich von mir ab.

Jetzt habe ich eine kleine Crowd von Freunden – abgeführt von meinem Lebensgefährten – die mich und mein Tun klasse finden. Sie bauen mich auf, wenn ich auch mal niedergeschlagen bin. Dafür bin ich sehr dankbar!

Turbulenzen – Was war die grösste Turbulenz im Gründungsprozess?

Es gab mehrere heftige Turbulenzen. Die zwei Grössten waren die Folgenden:

Konditorenprüfung: Backen ist ein Handwerk und ist gesetzlich geschützt. Somit kann nicht jeder sagen: Ich werde jetzt Bäcker und leg dann mal los. Um im öffentlichen Raum Backwaren zu verkaufen brauchst Du eine abgelegte Konditorenprüfung. Die dauert normalerweise drei Jahre. Das war natürlich für mich nicht machbar. Glücklicherweise kann man als anerkannter „Härtefall“ die Ausbildung verkürzen. Dazu kam, dass ich mir zwei Teilbereiche raussuchte: Kuchen und feine Backwaren. Eis und Torten darf ich z.B. nicht herstellen. Im xx/14 hatte ich meinen Abschluss in der Tasche.

Foodtruck: Ich wollte einen Foodtruck um mobil zu sein, verschiedene Stadtteile abdecken zu können. Letzendlich sollten so viele „intolerante“ Menschen wie möglich was von meinen Speisen bekommen können. Aber so ein Foodtruck ist teuer: Dem Kauf schliesst sich meistens noch ein Umbau des Wagens an. So auch bei mir. Im Mai 2014 startete ich eine Crowdfunding Kampagne auf startnext. Über 100 Menschen haben mich dort unterstützt mit einer Gesamtsumme von 5.281 €.

Schwierigkeiten – Irgendwas oder wer funktioniert nicht so, wie Du Dir das vorstellt: Wen oder was fragst Du für eine Lösung?

Wenn irgendwer nicht so funktioniert wie ich mir das vorstelle muss man einfach mal darüber sprechen und es klären wenn möglich – vielleicht stellt sich auch heraus, dass „so wie ich mir das vorstelle“ gar nicht der richtige Weg ist/war und es einen besseren gibt.

Wenn irgendwas nicht funktioniert frage ich meistens meine bessere Hälfte ☺
Oder ich schlafe eine Nacht drüber wenn das geht – am nächsten Tag hat man meist eine Lösung parat.

Schwierigkeiten – Wo willst Du noch besser werden?

Man kann in allem immer „noch besser“ werden – nach oben hin ist‘s immer offen.
Ich möchte auf jeden Fall die Organisation der Koch-/Backkurse bis zum Sommer schaffen und meine Produktpalette noch verbessern.

Stärken – Welche 3 Deiner Stärken kommen Deinem Business zu gute?

Kreativität, Organisationstalent, Durchsetzungsvermögen

Adjektive – welche 3 Adjektive beschreiben Dich am besten?

mutig, zielstrebig, humorvoll

Hashtags – welche 3 # beschreiben Dich am besten?

#WennNichtJetztWannDann
#Quereinsteiger
#SoulFood

Zukunft: Was ist bei der „Intoleranten Isi“/ bei Dir anders in 12 Monaten/ 3 Jahren?

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir einen grösseren Truck wünschen. Zwei Gründe:
Mehr Platz: Es ist ein ziemliches Gepuzzle in dem kleinen Truck und wenig Platz dort alle meine Sachen zu verstauen
Andere Wahrnehmung: Mein Truck wird aufgrund der Grösse und Farbe oft als „Der Truck für die süssen Sachen“ wahrgenommen. Die anderen grossen Trucks werden anders – ernster – wahrgenommen

Was ist bei Dir in 12 Monaten anders?
Ich habe ein oder zwei Angestellte, die mich in meinem täglichen To-Do unterstützen. Sie schnippeln, stehen auf Events im Truck. Die grösste Schwierigkeit wird sein, jemanden zu finden, der wirklich eine zuverlässige Entlastung ist. Am liebsten auch jemanden mit Lebensmittelintoleranzen, der um die Brisanz in der Zubereitung weiss.

Allein kann ich das nicht die nächsten fünf Jahre weiter stemmen. Da macht es mir entweder keinen Spass mehr oder ich habe einen Burn-Out.

Und in drei Jahren?
In drei Jahren habe ich in München zusätzlich ein stationäres Café mit angeschlossener Produktionsküche. Mein Truck ist weiterhin im Einsatz und ich habe das Catering-Geschäft ausgeweitet.

Vielleicht wäre es auch eine Idee mein Konzept zu reproduzieren in Form von Lizenzvergabe oder Franchising. Mal sehen.

 

Isi-ich-AbspannMit Isabella brauche ich mich nicht zu verabreden! Sie ist mit ihrem Foodtruck viel unterwegs auf Veranstaltungen und Foodtruck-Festivals. Neben dem leckeren Lunch gibt’s dann immer meinen Liebling: Oreo Whoopie

Ihr habt Lust den Foodtruck „Die intolerante Isi“ life zu erleben ?

Täglicher Standort des Foodtrucks: Einen Standortplan gibt es auf der Homepage
Foodtruck-Festival „Circus of Food“: Sonntag 19. April von 11:30 bis 22 Uhr, Eintritt 2 € oder 4 €; Tickets können über eventbrite vorab erstanden werden. So spart Ihr die langen Warteschlangen.

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