Bettina Sturm interviewt Inhaberin Kerstin Weise von "chokoin - die Schokoladengalerie zu Ihrer Erfolgsgeschichte

Schoko-Laden eröffnen: Interview mit Kerstin Weise – „chokoin“ die Schokoladen-Galerie, München

3 Veröffentlicht von - 9. Juni 2015 - Gründergeschichten, München

Das „chokoin“ und ich

Ich bin Schokoholic und das schon seeehr lange! Als Kind liebte ich Vollmilch-Trauben-Nuss über alles. Mit zunehmenden Alter wurde die Lieblingsschoko immer dunkler. Heute ist die dunkle „Meersalz-Schoko mit Nüssen“ von „chokoin“ mein Liebling.

Vor über sieben Jahre öffnete die ehemalige Stewardess Kerstin Weise ihre Schokoladengalerie „chokoin“. In der Nähe des Elisabethmarkts in München-Schwabing gelegen, war es von meinem damaligen Wohnort ein Katzensprung ins Schokoladenreich. Und wie häufig liess ich meine Euros dort: Schokolade als Seelentröster oder als Belohnung. Als leckere Geschenkideen für Freunde und Geschäftspartner.

Weggezogen aus Schwabing, verschwand das „chokoin“ von meinem Radar. Als der SPECHT dann flügge wurde, wurde es wieder zum Landeplatz.

Ich hoffe, Ihr habt jetzt beste Schokolade vor Euch liegen. Denn dieses Interview ohne Süsses zu geniessen ist grob fahrlässig …

Was ist das „chokoin – die Schokoladen-Galerie“?

Chokoin ist eine Galerie der besonderen Art. Es wird nicht nur Schokolade verkauft, sondern ein Lebensgefühl. Design und Genuss verschmelzen zu einer besonderen Form von Ästhetik und Lebensstil.

Dein USP – was ist im “chokoin” anders als bei anderen Schokoladen-Geschäften?

In meinem Schokoladenfachgeschäft verschmilzt Design und Genuss zu einem unvergessenem Einkaufserlebnis: Das gibt es in dieser Art nirgends in München – meine Erfolgsgeschichte.

Name
Kerstin Weise

Titel/ Jetziger Job
Seit Oktober 2007: Gründerin und Inhaberin „chokoin – die Schokoladen-Galerie“

Heimatstadt
München

Ausbildung
Marketingwirt BAW, BAW München

Vorherige Jobs
Marketing,
 Maria Galland
Marketing,
 designaffairs
Ideenmanagement,
 O2
Projektassistenz,
 PPD
Teamassistenz,
 virtual identity
Teamassistenz,
 Premiere
Assistenz der Geschäftsführung,
 accentum
Chef-Stewardess, Aeroloyd

Chokoin steht für höchste Ansprüche an Qualität, Nachhaltigkeit und handwerkliches Arbeiten. Die Vision ist, die Menschen mit Schokolade und ihrem Einkaufserlebnis glücklich zu machen.

„chokoin“ – die Schokoladen-Galerie
Nordendstraße 52
80801 München, Germany

Tel.: 089/ 890 689 54
www.chokoin.de
fb: http://www.facebook.com/pages/Chokoin

Veranstaltungen: Schokoladenverkostungen und jährliche Teilnahme an der MCBW – Munich Creative Business Week

MVV:
Tram 27 (Petuelring), Haltestelle Elisabethmarkt
U2 (Feldmoching), Haltestelle Hohenzollernplatz

Öffnungszeiten:
MO – FR: 10:00 – 19:30 Uhr
SA: 10:00 – 14:00 Uhr

„chokoin“ – Wie kam es zu diesem Namen?

Wir haben zuhause einen Namensfindungs-Workshop gemacht. Zum „Schokoladenbrunch“ haben wir Familie und Freunde eingeladen. Am Abend hatten wie „chokoin“, das ich dann als Marke eingetragen habe. Übrigens, die schönen Bilder in Schokogalerie sind von diesem Workshop.

Magic Moment – Kannst Du Dich noch genau an den Moment erinnern, als Du dachtest: Ja, ich mache jetzt ein Schokoladen-Geschäft auf?

Das war 2004. Mit meiner besten Freundin Bine war ich in Schwertes’ Innenstadt unterwegs. Da sagte sie auf einmal: „Schau mal, der Gummibärladen ist klasse, hat eine 1A-Lage in der Fussgängerzone. Das musst Du auch machen!“ OK, Gummibärchen gehen für mich gar nicht. Aber die habe ich dann gedanklich mit leckerster Schokolade ausgetauscht. In dieser Nacht habe ich beschlossen: Ich mache ein Schokoladen-Laden auf“

Meilensteine – Was waren die wichtigsten Schritte bis das “Chokoin” zum 1. Mal die Tür öffnete?

Zeit als Stewardess – Schoko-Betthupferl
Ich bin 10 Jahre als Stewardess durch die Welt geflogen. Am Ende eines langen Tages kommst Du meist hungrig ins Hotel. Das Betthupferl auf dem Kopfkissen war oft das Einzige, was ich abends noch gegessen habe. Da habe ich jede Menge Geschmacksunterschiede festgestellt.
Als meine Airline in die Insolvenz ging war für mich klar: Jetzt mache ich was anderes. Aber was?

Weiterbildung im Marketing
An der BAW München habe ich dann zwei Jahre im Abendstudium Marketing studiert. Danach ging ins Marketing verschiedener Münchner Firmen. Im Hintergrund poppte immer öfter auf: Ich will was Eigenes! 2004 habe ich dann den Schlussstrich gezogen: Keine Lust mehr auf Ellbogenkampf und den riesigen Druck.

Ich will jetzt was anderes – was mit Schokolade
Dann kam der „Magic Moment“ mit meiner Freundin Bine – siehe oben. Irgendwann begann ich – gemeinsam mit meinem Mann – Chokolatiers zu besuchen. Erweiterte mein Schokoladen-Wissen. Schon bald hatte ich mein Sortiment fertig zusammengestellt. Aber noch keinen Laden.
Ich habe mir meinen Bausparvertrag als Startkapital auszahlen lassen und ging dann auf Ladensuche.

Suche nach Ladenlokal – Vermieter bocken
Schnell musste ich feststellen, wie schwer es ist, als Existenzgründer einen Laden zu bekommen. „Sie haben ja gar keine Erfahrung/ Konzept ist nicht erprobt. Nein machen wir nicht.“ Es gab nur Absagen von den Vermietern, obwohl ich auch Mietverträge mit Bindungsfrist von fünf bis zehn Jahren unterschrieben hätte. Aber die lapidare Vermieterantwort war: „Existenzgründer nehme ich nicht!“
Die Ladensuche hat sich ewig hingezogen, so dass ich irgendwann wieder begann Marketing-Jobs über die Zeitarbeit anzunehmen. Als Überbrückung, denn mein „Projekt Schoko“ lief weiter. Irgendwann entwickelte sich aus einem Zeitarbeits-Job eine Festanstellung.

Zusage Ladenlokal und Finanzierung
Am Tag meiner Vertragsunterschrift bekam ich abends die Zusage für meinen jetzigen Laden! Mein Chef hat sich total für mich gefreut. Ich arbeitete meine Nachfolgerin parallel zum Ladenbau und -einrichtung ein. Denn ich hatte genau einen Monat Zeit zwischen Zusage und Ladeneröffnung. Am 01.10.2007 habe ich zum 1. Mal meine Ladentür aufgeschlossen. Ich startete mit einem „Silent Opening“. Es lief von Tag eins an: Presse kam, Fotografen, Interessierte.

Bettina Sturm von RespektHerrSpecht interviewt Kerstin Weise von chokoin – die Schokoladen-Galerie. Eine Erfolgsgeschichte. Bettina Sturm von RespektHerrSpecht interviewt Kerstin Weise von chokoin – die Schokoladen-Galerie. Eine Erfolgsgeschichte.

Finanzierung – Wie hast Du Dein Startkapital zusammenbekommen?

Mein Startinvest setzte sich zusammen aus:

  • Bausparvertrag: 50%
  • Bankkredit: 50 %

Den Bankkredit zu bekommen war ein Kampf!
Bei den verschiedensten Banken blitzte ich mit meiner Anfrage nach einem Förderkredit ab. „Laden und/ oder Einzelhandel als Existenzgründer geht gar nicht!“ war die Antwort.

Als ich dann meine Ladenzusage hatte, war es grosses Glück, dass ich eine Finanzierungszusage bekam. Das Glück war dem Umstand geschuldet, dass es die Hausbank meines Mannes war. Ich kann da nur mutmassen, was die Beweggründe waren: Mein Mann hat gut verdient und wahrscheinlich dachten sie, dass er im Notfall schon einspringen würde. Fakt ist, dass er im Vertrag nicht als Bürge genannt wird. Das war mir wichtig.

Support – Wer waren die größten Unterstützer im Gründungsprozess? Und heute?

Mein grösster Unterstützer war mein Mann. Er glaubte an mich und meine Geschäftsidee. Wenn der Partner nicht hinter Dir steht, ist es schwierig.
Auch meine Familie und Freunde haben an mich und meine Idee geglaubt. Sie gaben mir mentale Unterstützung: „Du schaffst das. Du bist der Typ dafür.“

Und heute? Wenn es um die Weiterentwicklung von „chokoin“ geht tausche ich mich noch immer gerne mit meinem Mann aus. Er hat eine andere Sichtweise auf Dinge, die ich sehr schätze.

Was ist dein Angebot? Was gibt’s zum Trinken? Zum Verweilen im Laden?

  • Schokolade: Breites Sortiment, Eigenmarke und Pralinen
  • Getränke: Kaffee, heisse Schoko, Tee – demnächst „Kaffee to go“
  • Eis im Sommer: Von Bartu
  • Shop in Shop: seit 16.03.2015 ist Laura Wochinger mit „we are doughlicious“ mit an Bord. Laura macht kleine Pancakes mit vielen leckeren süssen oder salzigen Toppings. Dem Pancake-Machen zuzuschauen ist besser als jedes Fernsehen: Teig kommt in die Maschine, zauber zauber. und irgendwann ploppt der Pancake raus. Topping drauf … und mmmh! Dazu gibt’s grüne Smoothies, Eistee, Vitamin Water und mehr.

Was ist der Renner in Deinem Laden?

Meine eigene Schokolade ist die Meistverkaufte – meine Erfolgsgeschichte. Meine Eigenmarke gibt es z.B. als dunkle Schokolade mit Meersalz und Nüssen und Haselnuss-Vollmilch.

Die vegane Schokolade von „Booja-Booja“ ist auch ein Renner. Ist eine Nische, aber bekommt immer mehr Anhänger. Hier wird Kokosnussmlich anstatt Kuhmilch verwendet.

Was ist die teuerste Schokolade?

Das ist die „Porcelana“ von „Amedei“: Hier kosten 50 Gramm 13,70€. Die Kakaosorte „Porcelana“ ist die seltenste Kakaosorte der Welt und wird u.a. in Venezuela angebaut. Die Tafeln sind handschriftlich nummeriert. Sicher nicht für jeden Tag, aber für den besonderen Anlass.

Und Deine Lieblingsschoko?

Ich habe keine „one and only“. Bei mir ist die Lieblingsschoko launenabhängig.

  • Bei guter Laune mag ich es herzhaft: Dann greife ich zu meiner selbstgemachten „Meersalzschoko mit Nuss“
  • Bei schlechter Laune brauche ich was Süsses: Da ist mein Tagesretter die „Florentiner Nougatpraline“.

Schwierigkeiten – Irgendwas oder wer funktioniert nicht so, wie Du Dir das vorstellt: Wen oder was fragst Du für eine Lösung?

In erster Linie meinen Mann und dann meine Mutter, die versteht mich am besten und kann mich am besten motivieren

Und wo willst Du noch besser werden?
Gerne würde ich in der Kommunikation nach außen besser werden. Ich bin keine Rampensau und steh nicht gern in der Öffentlichkeit, aber das gehört zum Business

Treibstoff – Was motiviert Dich jeden Morgen aus dem Bett zu steigen?

Der Laden ist meine Motivation! Ich gehe so gerne hier hin. Ich sperr auf und bin glücklich. Natürlich motiviert mein Erfolg mich auch weiter dranzubleiben, Neues auszuprobieren.

Stärken – Welche drei Deiner Stärken kommen Deinem Business zu gute?

Ehrgeiz, Dienstleistungsbereitschaft und Neugierde, Lust auf Veränderungen ohne den Kern zu verlieren

Adjektive – welche drei Adjektive beschreiben Dich am besten?

Neugierig, zielstrebig, ungeduldig

Zukunft: Was ist im „chokoin“ anders in 12 Monaten/ drei Jahren?

Mein oberstes Ziel ist meine Eigenmarke „chokoin“ weiter auszubauen.

In 12 Monaten…
Will ich die Expansion in München bzw. Deutschland weiter vorantreiben. Ob im Franchise oder mit Lizenzvergabe ist noch nicht entschieden.

In drei Jahren…
Habe ich einen Onlineshop, in dem ich vorrangig meine Eigenmarke verkaufe.

Bettina Sturm interviewt Kerstin Weise zu Ihrer Erfolgsgeschichte von "chokoin"Gut, das mein Büro in der Nähe meiner Schoko-Tankstelle „chokoin“ liegt. Immer wieder gerne schaue ich mir Kerstins‘ tolles Schokoladenangebot an. Manchmal probiere ich auch eine neue Schoko aus, wie letztens die Weisse mit Matcha-Tee. Immer in meine Handtasche kommt mein Liebling: Meersalz-Schoko mit Nüssen.

Ach, ein Pancake von Laura geht auch immer.

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