Auf einmal tauchte in den Insta-Stories auf: Marlene for sale! Marlene, mein Liebling! Schon immer war ich ein Riesenfan von Marlene – der hellblauen Vintage Caravan Bar – und den beiden Besitzerinnen Lisa und Steffi. „Huch, was ist denn da los“ war mein erster Gedanke.

Und neugierig, wie ich bin, fragte ich Lisa und Steffi, ob sie Lust auf ein Interview hätten. Hatten sie und so sprach ich mit Lisa darüber,

…wie Marlene zum Award-Winning Business wurde, warum sie und Steffi ihren geliebten Vintage Caravan jetzt verkaufen wollen und wie der ideale Käufer für Marlene aussieht.

Wer steckt eigentlich hinter Marlene?

Hinter Marlene stecken wir, die beiden Schwestern:  ich – Steffi (35) – und Lisa (38). Schwestern zu sein ist ein großer Vorteil, denn wir beide kennen uns in und auswendig. Wir sind auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen mit jeder Menge Arbeit und Landleben.

Dann sind wir Beide zum Studium in die Stadt gezogen. Ich habe BWL studiert und dann ganz klassisch Marketing gemacht. Lisa hat Sozialgeografie mit Schwerpunkt Stadtentwicklung studiert und hat dann an einer Designhochschule gearbeitet. Ich glaube, es war eine gute Vorbereitung auf unser Marlene-Business: Kreatives Ausprobieren und das Stadtleben auf der einen Seite, kombiniert mit unserem vorherigen Landleben.

© Kathleen John Fotografie

Was genau ist die Marlene Caravan Vintage Bar?

Etwas Blaues, etwas Gebrauchtes und etwas Geliehenes. Marlene erfüllt drei Wünsche auf einmal.

Marlene ist ein einzigartiger Oldtimer, ein Nagetusch Caravan Baujahr 1971. In den 70er Jahren rollte er als DDR-Eiswagen durch Dresden. Heute gibt es nur noch wenige gut erhaltene Nagetusch Oldtimer, wie die Marlene Vintage Caravan Bar. In liebevoller Kleinarbeit wurde der Caravan innen und außen komplett umgebaut und mit einer wunderschönen Massivholz- Bar, Kühlschränken und einem Waschbecken ausgestattet. Das macht diese Gründungsidee in der Kombination mit dem „drink local“ Konzept so einzigartig.

Und wie kam Marlene zu ihrem Namen?

Wir wollten ein weiteres Mädel am Start haben, das Frauenpower symbolisiert. Irgendwann waren wir bei Marlene. Wir hatten Marlene Dietrich vor Augen. Sie stand ja gerne an der Bar, mit Zigartte und Drink. Eine coole und toughe Frau und trotzdem weiblich. Das wollten wir mit unserer Marlene auch rüberbringen.

Ausserdem ist  Marlene auch der 2. Vorname von Lisas Tochter. Mit den Namen eine Verbindung zur Familie herzustellen, das passte auch für uns. 

So wurde Marlene ein weiteres Familienmitglied.

© Kathleen John Fotografie

Marlenes Meilensteine

Dann hat Lisa 2013 bei uns auf dem Bauernhof geheiratet, ganz alternativ auf der Wiese am Waldrand mit Zelt und Ska-Band. Da wir auch die Drinks entsprechend stylish anbieten wollten, waren wir auf der Suche nach einer passenden Bar, doch leider vergebens. Wirklich innovative Konzepte abseits des Mainstreams gab es zu der Zeit einfach noch nicht und so haben wir eben kurzerhand alles selbst gemacht. Es wurde eine wunderbare Hochzeit und die alternativ angehauchte Hochzeit kam supergut an.

Kurz darauf haben wir begonnen mit der Idee zu spielen: in der Gastro selbstständig machen, das wäre was. Wir zwei sind gastronomisch vorbelastet, denn unsere Mutter hat ein Catering-Unternehmen. Daher wussten wir schon sehr gut, worauf wir uns da einlassen würden.

2014 bekam Lisa ihre Tochter. In der Elternzeit, als die Kleine aus dem Gröbsten raus war, haben wir uns gesagt: Komm, wir starten jetzt! Wir wollten ein mobiles Konzept und dachten an einen Foodtruck. Damals kam gerade die Foodtruck-Welle aus den USA rüber. Wir haben dann recherchiert und waren kurz davor einen Bulli zu kaufen, hier in München. Da war uns dann aber irgendwann das Risiko zu groß, weil wir gesagt haben: Wir haben keine Ahnung von Technik. Was machen wir wenn wir mit dem Fahrzeug liegenbleiben? Wenn die Technik ausfällt? Dann haben wir ein bisschen weiter recherchiert und sind von diesen Oldtimerautos – die du zum Teil echt nicht bezahlen kannst – auf alte Caravans gekommen.

Nach drei Monaten fanden wir eBay unseren Caravan in Berlin. Den haben wir dann selbst restauriert und ausgebaut. Ich sag nur, sieben Farbschichten abschleifen. Beim Ausbau haben uns dann Freunde und Bekannte geholfen.

Manchmal siehst du ein Haus oder ein Auto und man kann sich direkt vorstellen, wie das später aussieht. Als wir Marlene gesehen haben, da wussten wir, dass ist unsere Zukunft auf 2 Rädern. Wir konnten uns schon bildlich vorstellen, wie wir auf der ersten Hochzeit anrollen würden.

Und im Januar 2016 standen wir dann mit Marlene auf der ersten Hochzeitsmesse in München. Dort haben wir mit unserem Konzept präsentiert und damit den Newcomerpreis „Love Circus Bash – Next Award“ gewonnen. Und kurze Zeit später den 2. Platz mit unserem Konzept beim 2. Deutschen Hochzeitskongress in München.

Von da an ging der Erfolg durch die Decke

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© Luis Barreiro Photography

Wie funktioniert das Marlene-Konzept? 

Wir sind mit unserem ersten Auftritt – der Teilnahme an der Hochzeitsmesse – direkt in die Hochzeitsbranche reingerutscht. Der Gewinn des 1. Preises beim „Love Circus Bash – Next Award“ –hat uns sofort Bekanntheit verschafft. Eigentlich alle großen deutschen Hochzeitsblogs haben über uns berichtet. Und so sind wir auch heute noch zum größten Teil im Hochzeitsgeschäft..

Das Brautpaar-Foto vor dem Caravan ist der Pinterest-Traum aller Bräute!

Was genau sind eure Standbeine?

80 Prozent vom Umsatz machen wir mit Hochzeiten. Da bieten wir die ganze Bandbreite an: vom kurzen Sektempfang am Standesamt bis zum halbtäglichen Barbetrieb auf einer Wiese vom Hofgut oder Schloss. Ach, auf einer Alm waren wir auch. Die Hochzeitssaison geht von April bis Oktober. Wir haben so eine starke Nachfrage, dass wir viele Wochenenden doppelt belegen könnten. Wir werden teilweise schon über ein Jahr im Voraus angefragt.

Die restlichen 20 Prozent vom Umsatz machen wir mit:

  • Firmenevents, z.B. Weihnachtsfeiern,Sommerfeste, Shop Eröffnungen, Presse Events
  • Teilnahme an Märkten und Festivals
  • und auch als Bar auf Messeständen

Wie habt ihr Kundenakquise gemacht?

Wir hatten den grossen Luxus, dass wir nie aktiv Akquise und Werbung machen mussten. Es lief von Tag 1 super. Die Hochzeitsmessen waren unser grösster Akquisekanal. Wir waren dort mit dem Caravan Vorort. Besonders die zukünftigen Bräute haben sich sofort in Marlene verliebt. Das Live-Erlebnis hat uns da immer sehr gut geholfen. Nach den Messen bekamen wir immer jede Menge Anfragen.

Auch auf verschiedenen Portalen waren wir gelistet. Es gibt z.B. jede Menge Hochzeits- und auch Firmenportale, wo man sich listen lassen kann. Darüber kommen viele überregionale Anfragen.

Dann waren wir immer wieder in der Presse. Irgendwann haben wir eine Nachricht bekommen, dass wir mit Marlene im Online-Magazin von bild.de sind. Das lief dann auch im Ticker von der Telekom. Danach haben sie uns dann echt die Bude eingerannt. Jetzt sind wir angekommen. Jetzt ist es wirklich. Auch Lieschen Müller ist jetzt bekannt, dass man uns für eine Hochzeit buchen kann.

© Lisa Grindmayer

Was war euer grösster Freudensprung mit Marlene?

Den grössten Freudensprung haben wir gemacht, als wir im Sommer für die erste große Hochzeit gebucht worden sind. Es waren so viele Gäste, dass wir noch zusätzlich Personal mit an Bord holen mussten. Es war eine Herausforderung, aber auch gleichzeitig ein Event wo wir gesagt haben: Mensch, hier wären wir gern selbst Gast. Nach den ersten kleineren Einsätzen haben wir hier den ersten grossen Gewinn eingefahren.

Auch über die vielen tollen Rückmeldungen haben wir uns total gefreut. „Hey, ich habe euch bei Bild.de entdeckt.“ Oder dann tauchte Marlene in einem New Yorker Online-Magazin auf. Das war schon krass. Dieses Wiedererkennen, das ist toll.

© Kathleen John Fotografie

Jetzt wollt ihr Marlene verkaufen. Warum?

Los gings eigentlich vor gut zwei Jahren. Da kamen zwei Themen zusammen.

Wie schon gesagt, wir kommen vom Bauernhof und da ist es üblich, dass man irgendwann an die Hofübergabe an die nächste Generation denkt. Zum anderen hatten wir mit Marlene schon einige Jahre Erfahrung und haben gemerkt: Wir sind einfach limitiert unser Business grösser werden zu lassen. Wir haben unser Business nie fulltime betrieben. Wenn wir das wollen würden, kämen wir fix an unsere Grenzen, denn wir müssen immer zu zweit sein. Dann müssen wir immer dort hinfahren wo gefeiert wird. Kurz haben wir überlegt, ob wir jemanden anstellen wollen. Aber, es stellte sich als schwierig raus jemanden zu finden, der mit Leidenschaft Bock hat diese harte Arbeit zu machen. Also haben wir das fix abgehakt.

Dann dachten wir: Komm, wir machen was Neues. Lass uns auf unserem Hof eine Gastro-Location eröffnen.

Wir sind jetzt aber nicht nur zwei Töchter, sondern wir haben auch noch zwei Brüder. Plötzlich waren alle Nachfolger daran interessiert, sich auf dem kleinen Hof zu verwirklichen. Zusammen mit der Familie haben wir dann versucht eine gemeinsame Lösung zu finden. Unsere Eltern haben sogar einen Berater engagiert, der uns als Familie ein Jahr lang begleitet hat, mit dem Ziel, eine gemeinsame Idee zu finden.

Es hat sich dann irgendwann rauskristallisiert, dass die Bewirtschaftung des Hofes sich nicht mit unserer Idee der Gastronomie vor Ort, vereinbaren lässt. Es hätte zu viel Konfliktpotential gegeben. Also mussten wir uns eingestehen, dass wir unser Konzept so nicht umsetzen können.

Dazu kam noch, dass wir schon längere Zeit mit Farmmade am Start waren. Bei Farmmade dreht sich alles um unser Leben auf dem Hof und den Garten, mit dem wir andere inspirieren wollen. Da wir bereits bei Marlene unseren eigenen Barsirup mit Kräutern aus dem Bauerngarten selbst hergestellt hatten, lag es nahe, diesen auch zu vermarkten. Mittlerweile bieten wir auch Foodfotografie, Produktbilder, Styling an oder entwickeln Rezepte für die regional, saisonale Küche. Das Geschäft mit Farmmade entwickelt sich gut und wir haben weitere Ideen unser Wissen mit anderen zu teilen.

Wir haben uns bewusst ein Jahr Zeit gelassen und mit dem Gedanken gespielt, unser Herzensprojekt Marlene loszulassen. Können wir damit leben? Jetzt haben wir gemerkt: OK, es geht und es macht auch Spaß was Neues zu machen. Marlene hat uns unheimlich weitergebracht. Was wir alles persönlich und beruflich gelernt haben. Ohne diesen Entwicklungsprozess, wären wir jetzt nicht da, wo wir jetzt sind.

Jetzt suchen wir den Nachfolger für Marlene.

© Luis Barreiro Photography

Was sind eure Pläne?

Wir wollen Farmmade weiter ausbauen.

Hier wollen wir mit unserem Blog zeigen, wie das Leben bei uns tatsächlich stattfindet. Wie man sich auch selbst versorgen kann, ohne ausgebildeter Gärtner zu sein. Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei uns eine grosse Rolle.

Zum anderen wollen wir unsere Erfahrungen, die wir zum einen mit Marlene gemacht haben und die wir zum anderen mit Farmmade zum Thema Nachhaltigkeit gemacht haben, in einem neuen Angebot bündeln: Marketing für Landwirte, Bauernhofgastro und grüne Kollaborationen mit nachhaltigen Brands aus den Bereichen Food, Farm, Garten & Lifestyle, die unsere Werte teilen und gerne etwas Positives in der Welt bewirken möchten.

Dann knüpfen wir wieder dort an, wo unsere Wurzeln liegen. Gerade in der Landwirtschaft gibt es so tolle Produkte, so tolle Höfe. Aber viele haben einfach noch Probleme sich zu vermarkten oder haben Berührungsängste, wie man das jetzt umsetzen soll. Und da wollen wir mit unserer Erfahrung aus der Gastronomie und dem Wissen, wie das Arbeiten und Leben auf dem Hof ist, unseren Kunden Werkzeuge an die Hand geben.

© Kathleen John Fotografie

Wie sieht denn euer idealer Kunde für Marlene aus?

Unser idealer Käufer ist sehr leidenschaftlich und hat Geschmack für das Gute. Steht auf Qualität bei Lebensmitteln und Getränken, so wie wir. Geht gern unter Leute, lacht gerne. Er schätzt, was wir mit Marlene aufgebaut haben.

Vielleicht bekommt Marlene dann ein anderes Gesicht, trägt die Handschrift des neuen Besitzers. Gerne.

Wir wünschen uns, dass unsere Arbeit nicht umsonst war und das jetzt jemand anders Marlene cool weiterführt.

© Luis Barreiro Photography

Du hast Lust auf Marlene? Dann sind das deine nächsten Schritte

Lieber Leser, schreib uns gern eine Nachricht an servus@marlenefeiert.de damit wir dir weitere Infos zu unserer Caravan Bar und dem ganzen Paket drum weiterleiten können.

Wir sammeln alle Anfragen und Angebote und melden uns ab Oktober wieder, um erste Besichtigungstermine zu vereinbaren.

Ich bin sehr gespannt, wer Marlene kaufen wird. Und, wie sie dann eingesetzt wird. Wenn ich Neues weiss, werde ich berichten.

Und jetzt… Hast du Lust auf Food- und Gastro-Konzepte aus Frankreich?

Nächste Woche werde ich in einigen Facebook Lives auf meiner Facebook Seite „Respekt Herr Specht“ köstliche Entdeckungen aus Frankreich vorstellen. Vielleicht ist was für deinen nächsten Frankreich-Urlaub dabei. Und wenn du Gastronom bist, kannst du dir vielleicht ne Scheibe dort abschneiden.

DU MÖCHTEST AUCH EIN FOOD- ODER GASTRO-BUSINESS ERÖFFNEN?

Den wenigsten Gründern ist bewusst, was alles auf sie zukommt, wenn sie ihr eigenes Café eröffnen wollen. Für deinen Durchblick habe ich eine Schritt-für-Schritt Anleitung erstellt.  >>  Fahrplan zur Gastro-Gründung

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Du willst wissen, was dich deine Cafégründung wirklich kostet?
Damit du weisst, welche Kosten auf dich zu kommen. Und wie du die Hauptkostentreiber in den Griff bekommst.
Lesetipp >> Café eröffnen Kosten: Das kommt auf dich zu