Im April war ich für Gründerinterviews und Fotosession in Barcelona. Ja, in meiner alten Heimatstadt Gründerinterviews mit Deutschen führen, die sich hier ihren Traum vom eigenem Restaurant, Café etc. verwirklicht haben. Toll! Aber wie spannende Gesprächspartner finden?

Ich machte Research im Internet, postete mein Anliegen in verschiedenen facebook-Gruppen, sprach FoodBlogger und Stadtzeitungen aus Barcelona an, fragte in meinem Netzwerk rum. Die Ausbeute war mau.

Über meinen Research landete ich bei Bewertungsplattform tripadvisor. „Ich bin hell auf begeistert!! Echte deutsche Küche, wie bei Mutti sonntags in der Heimat, ein wahnsinniger Geschmack, alles frisch und hausgemacht!!!“ schrieb Manuel Carlos über ein deutsches Restaurant – das „Devil’s Kitchen“. So tauchte ich ein in die Bewertungen. Was ich total klasse fand, das jede einzelne Bewertung beantwortet worden war. Tolle Kundenpflege, die mich neugierig machte. Wie sieht es denn da aus? Photos hätte ich gerne gesehen. Gabs aber nicht. Also einfach anschreiben… Gemacht und bekam ganz fix Antwort von Christian: Ja, sie würden sich sehr freuen, wenn ich ein Interview mit ihnen führen würde. Gemeinsam mit Partner Erik führt Christian in der Nähe des Plaza Espanya das Devil’s Kitchen – ein Restaurant mit ehrlicher deutscher Hausmannskost.  

Ich hatte Herzklopfen auf dem Weg zum Interview. Wusste nicht so recht, was und wer mich erwartet. Normalerweise teste ich alle Locations, Produkte etc. bevor ich um Interviews bitte…

Herzklopfen wurde sofort von Herzlichkeit abgelöst. Voller Begeisterung erzählen die Beiden ihre Geschichte. Und die hat Spannendes zu bieten. Steigt ein und erfahrt, wie der Yap auf eine gescheite deutsche Grillwurst den Startschuss gibt, die erste Eröffnungsfeier im Chaos endete und am 2. Standort ein Funkenregen fast fatal endet.

Was ist das „Devil’s Kitchen“?

Im Devil’s gibt es deutsche gutbürgerliche Küche. Wir bieten vor allem Komplettgerichte an mit Schnitzel, Kohlroulade, Rinderroulade, das ganze Programm. Dazu gibt’s Spätzle, hausgemachte Maultaschen, Sauerkraut, Krautsalat usw. Gute Wurst und hausgemachte Hamburger – auch vegetarisch – gibt’s auch. Dazu deutsches Bier vom Fass.

Und dazu gibt es deutsches Entertainmentprogramm: Sonntag „Tatort“ und wir zeigen Bundesliga-Spiele und jetzt natürlich die EM-Spiele. Da wird die Hütte voll werden.

Euer USP – Was ist an Devil’s Kitchen anders als bei anderen Restaurants mit deutscher Küche in Barcelona?

Ich hatte am Anfang lange in der Stadt nach einer gescheiten Grillwurst gesucht. So was gab es hier ja nicht. Es gab zwar Wurst, aber die kam dann normalerweise aus der Fettpfanne, und nicht vom Grill. Dann habe ich mir gesagt: Dann mache ich es eben selbst! Deshalb auch der Name „Devil’s Kitchen“, so im Sinne von Grill und Feuer – aber eben mit einem internationalen Namen, der auch bei Nicht-Deutschen ankommt. Und los gings mit der Wurst.

Im Laufe der Zeit haben wir unser Konzept erweitert. Jetzt gibt es deutsche Spezialitäten, nicht nur vom Grill, sondern auch aus dem Ofen bzw. vom Herd.

Es gibt noch einige andere deutsche Anbieter mit deutscher Küche in Barcelona. Aber wir liegen örtlich ziemlich auseinander und sind so keine Konkurrenz zueinander.

BIO Christian Plettau

Christian Plettau
seit 10/2009 – heute: Inhaber und Geschäftsführer; kümmert sich hauptsächlich um die PR, Social Media etc., aber auch um Grafik und Design des Auftritts. Abends und an den Wochenenden ganztags steht er nach wie vor hinter dem Tresen und am Grill.

Ausbildung und vorherige Jobs:
Nach einem anfänglichen Studium der Soziologie machte er 1984 eine kaufmännische Ausbildung. Danach folgten Engagements auf und hinter der Theater-, Puppen- und Musicalbühne, bis er 2003 nach Barcelona zog.

Nach einigen Jahren in diversen Callcentern eröffnete er dann 2009 das Devil’s Kitchen, zusammen mit zwei Partnern.
BIO Erik Stephens
Erik Stephens
seit 10/2009 – heute: Inhaber und Geschäftsführer; hier ist sein Hauptjob das Kreieren der Gerichte, der Einkauf sowie die Vorbereitung der Küche.

Ausbildung und vorherige Jobs:
Erik Stephens ist in den USA geboren, wo er von 1984 bis 1988 an der Boston University seinen Bachelor of Fine Arts in Theaterstudien machte.

Nach einigen Jahren in San Francisco, wo er in verschiedenen Bars und Restaurants als Servicekraft, Cocktailmixer und Barmanager tätig war, zog er 1994 nach Deutschland, um dort bei verschiedenen grossen Musicals als Tontechniker und Stagemanager zu arbeiten. Inzwischen besitzt er die deutsche Staatsangehörigkeit.
Er kam ebenfalls 2003 nach Barcelona und eröffnete zusammen mit Christian das Devil’s Kitchen und ist seitdem ebenfalls Inhaber und Geschäftsführer.
PHILOSOPHIE Devil's Kitchen

Kurz & knapp die Philosophie hinter „Devil’s Kitchen“
Gute ehrliche hausgemachte deutsche Küche zu bezahlbaren Preisen in Barcelona.

ADRESSE

Devil’s Kitchen
Carretera de La Bordeta, 51
08014 Barcelona, Spanien

Telefon: +34 93 511 7297

Öffnungszeiten:
DI – FR 19:30 – 23:00 Uhr
SA und SO 13:00 – 23:00 Uhr
Montags geschlossen

Leidenschaft – Woher kommt Eure Leidenschaft für’s Kochen und die deutsche Küche?

Christian: Ach, das war nicht nur die Lust auf gutes Essen sondern auch die Lust auf gutes Geld verdienen. Meine Mutter hat lange Zeit in Freiburg auf dem Münsterplatz in einer Wurstbude gearbeitet. Sie sagte zu mir: „Mensch, Christian, weißt du was da täglich durch meine Finger geht an Geld, nur von diesen Würschteln?!“ Was die nur an diesen drei oder vier Euro-Würstchen da verkauft hat, das war ein unheimlich viel Geld. Und da habe ich mir gedacht: Wenn meine Mutter damit so viel Geld verdient, kann ich das ja irgendwann auch.
Lust hatte ich sowieso auf Gastro. Ich habe auch früher schon mit viel Spass in der Gastro gearbeitet, in Bars und Restaurants. Eric auch. Aber keiner von uns beiden hatte je selber eine eigene Kneipe oder einen Laden. Das war ein reines Abenteuer, ganz blauäugig …

Und wie oft war ich in Barcelona unterwegs und hab mir gedacht:

Ach, jetzt hast du richtig Lust mal auf eine gescheite Grillwurst und ein schönes frisches Bier dazu.

Und dann haben wir gemacht.

Magic Moment – Könnt Ihr Euch noch an den Moment erinnern, als Ihr gesagt habt: „So, wir machen das jetzt mit der Bratwurst“?

Das war damals noch mit unserem dritten Partner, einem Arbeitskollegen von mir, auch ein Deutscher. Der kam zur gleichen Zeit auch auf so eine ähnliche Idee wie wir. Der ist eigentlich Tischler und konnte also sehr viele Holzsachen für das Lokal erledigen, ganz toll. Und da haben wir gesagt: „Ja, dann schmeißen wir halt unsere Fähigkeiten zusammen.“

Dann haben wir kalkuliert, was wir so brauchen würden für unsere Wurstbude. Haben Freunde und Familie eingeweiht und gefragt, wer uns in welcher Höhe finanziell unterstützen mag.

Es folgte der Kassensturz von uns Dreien und eine gemeinsame Kalkulation: Wie weit kommen wir damit? Was können wir damit starten? Die Anfangsinvestitionen: Wie schnell könnte sich das amortisieren? Und irgendwann an einem Tag saßen wir draußen an einem Tisch in Raval und haben gesagt: „Machen wir’s, oder machen wir’s nicht?“ Haben die Zahlen nochmal überflogen, rückblickend natürlich mit einer gewissen Naivität. Dann haben wir gesagt: „Okay, wir machen das“ und ein Bier darauf getrunken.

Meilensteine – Was aren die wichtigsten Schritte bis Ihr im „Devil’s Kitchen“ zum 1. Mal die Tür geöffnet habt?

2003: Umzug nach Barcelona
Anfang 2003 waren wir hier in Barcelona zum Urlaub machen. Es hat uns super gefallen und dachten: Wäre cool hier zu leben. Im Sommer haben wir in Hamburg unsere Sachen zusammengepackt und sind nach Barcelona gezogen. Sechs Jahre lang haben wir Callcenter-Jobs gemacht und was man als Einwanderer so arbeitet, wenn man die Sprache noch nicht perfekt beherrscht.

2004: Die gute Wurst ruft…
Angefangen haben wir mit dem Gedanken, eine Wurstbude aufzumachen, so à la Food-Truck. Grade, gnadenlos, klassische deutsche Wurstbude. Dann haben wir uns im Rathaus und sämtlichen anderen Bezirksrathäusern nach den entsprechenden Lizenzen dafür erkundigt. Die Lizenzen werden distriktweise vergeben. Da gabs nur Kopfschütteln und die Aussage: „Die gibt’s hier nicht mehr!“ Alles an Straßenaktivitäten, Verkäufen und so weiter ist verboten, um das Straßenbild sauber zu halten.
Damit war die Idee erst mal aus dem Fenster geflogen. Dann wollten wir uns einen ganz kleinen Laden suchen, wo wir direkt aus dem Fenster raus verkaufen können. Da hieß es dann: „Nach den neuesten Regularien muss bei einer Verkaufsfläche mit Verkauf an Publikum eine begehbare Publikumsfläche von mindestens 30 qm zur Verfügung stellen, damit die Leute eine Fläche haben, auf der sie sich aufhalten können, während sie auf ihr Essen warten, und nicht auf der Straße stehen.“ Spanische Bürokratie lässt grüssen. So wurde unsere Idee immer größer, und damit auch unser Konzept.

2009 – 2014: Erstes Lokal im Raval
Mit der Lokalsuche hatten wir Anfang 2009 angefangen und fanden unsere erste Location dann im Raval. Unser Konzept war damals: Deutscher Schnellimbiss. Im Sommer haben wir den Umbau und Eröffnung gemacht.
Aber die Nachbarschaft war nicht optimal. Die Mädels haben sich nur in Begleitung zu uns hingetraut. Der Ort war auch schwierig, weil Sackgasse. Dann kamen Schwierigkeiten mit Nachbarn dazu. Irgendwann haben wir den Stecker gezogen und unseren Laden dichtgemacht. Ein halbes Jahr waren wir dann auf Lokalsuche.

2015: Neues Lokal am jetzigen Standort
Jetzt ist das Devil’s im Stadtteil Santa-Montjuïc.  Diese Lage ist für uns viel praktischer, weil wir direkt nebenan wohnen. Hier haben wir eine Komplettlizenz (die wir von den Vorgängern übernommen haben), das heißt inklusive Alkoholausschank.
Wir arbeiten jetzt mit einem Bierverlag, der bringt uns die meisten Biere, also Fassbiere. Dann haben wir noch verschiedene Flaschenbiere, und dazu haben wir ein eigenes Bier: das Devil’s Kitchen Bier. Das kommt aus einer kleinen Brauerei in Süddeutschland zwischen Offenburg und Freiburg. Von denen bekommen wir das ohne Etikett, und wir machen unsere eigenen Etiketten drauf.

Finanzierung – Wie habt Ihr Euer Startkapital zusammenbekommen?

Gross Erspartes hatten wir beim Start nicht. Für Kaution und Wohnung einrichten war alles draufgegangen.

Freunde und Familie – Einen sehr guten Freund, den haben wir damals im Job kennengelernt, und seine Frau, haben bei uns Geld „angelegt“. Die Beiden wollten gerade Geld anlegen als wir ihnen von unserer Geschäftsidee erzählten. „Sollen wir das irgendwo investieren, in Fonds oder irgendwas?“ Und da hat seine Frau gesagt: „Wenn du das in Fonds investierst und nicht den Jungs gibst, dann lass ich mich scheiden.“
Mein Schwager, der auch ein bisschen was auf der Kante hatte, sagte dann: „Ja, also wenn ihr voll dahinter steht, dann unterstütze ich euch.“

Keine Bankkredite – So konnten wir die Banken umgehen. Wir hatten seinerzeit Gespräche mit einem Bankvertreter. Der schaute unseren Businessplan an, lernte uns drei kennen und sagte: „Euch drei finde ich klasse, den Businessplan, die Idee, alles super.“ Da hatten wir das Lokal in Raval schon gefunden. Und dann sagte er: „Ja, ich hab mal die Banken drumrum abtelefoniert. Die haben gesagt, in der Lage könnt ihr kein Business machen. Also kriegt ihr nichts.“
Damals hatte ja auch die Krise gerade begonnen und die Banken haben komplett dichtgemacht

Erbschaft – Später habe ich dann noch meine Erbschaft aufgelöst. Das Lokal hier stellt jetzt also meine Erbschaft dar.

Support – Wer waren die größten Unterstützer im Gründungsprozess?

Am Anfang sind wir zu Barcelona Activa, einer Institution in Barcelona gegangen, die speziell Unternehmensgründer unterstützt und von der Stadt gefördert wird. Die unterstützen speziell auch die Leute, die eben kein Riesenkapital reinschießen können: Wie setze ich einen Businessplan auf? Mit welcher Bank spreche ich?
Die haben uns sehr gut unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin. Ich bin ja kein Geschäftsmann, habe keine Ahnung von Businessplänen, von Finanzen oder Steuern oder weiß der Geier. Die haben mit uns den Businessplan aufgesetzt – auch wenn wir den letztendlich nicht gebraucht haben, weil wir ja privat finanziert haben. „Barcelona Activa“ ist wirklich eine klasse Institution, ein Riesenzentrum im Süden von Barcelona mit Bibliotheken und Online-Plattformen, Kursen und so weiter.

Unsere Geldgeber haben und natürlich unterstützt. Ohne die wäre da Ganze ja gar nicht machbar gewesen.

Dann hatten wir einen Freund aus Hamburg, der uns beim ersten Einrichten sehr geholfen hat. Der macht alles, von Elektrik bis Fußboden bis was-auch-immer. Den haben wir auch immer wieder aus Deutschland eingeflogen, wenn mal irgendwas Größeres anstand. Eric hier macht den besten vegetarischen Burger in der Stadt, und deswegen kam er natürlich doppelt so gerne.

Turbulenzen – Was war die größte Turbulenz im Gründungsprozess?

Das waren schon mehrere Turbulenzen, zum Beispiel die Premiere im alten Laden. Der Laden war rappelvoll und der große Grill lag komplett voll mit Wurst – „Wir wollen Grillwurst und Thüringer! Und Currywurst“ riefen die Gäste. Und dann wollten sie irgendwann bezahlen und wir kamen nicht mit der Kasse klar.
Dann fiel der Rauchabzug aus! Wir hatten damals den Grill für die Wurst und auch die Fritteuse direkt hinterm Tresen mit einem großen Abzug drüber. Das heißt, die Kunden standen hier an der Bar, und wir haben gegrillt und rübergereicht. Dann fiel der Rauchabzug aus und plötzlich war der ganze Raum voller Rauch. Da rückten tatsächlich die Jungs von der Feuerwehr an. Ein ziemliches Chaos unsere Eröffnung!

In unserem alten Laden brach irgendwann die Kanalisation zusammen. Die Toiletten liefen über und alles ging raus auf unser verlegtes Parkett. Dann mussten wir den Absaugwagen rufen, den Laden wieder putzen desinfizieren usw. Das passierte uns mehrmals, bis dann klar war, dass das nicht nur eine Verstopfung war, sondern generell etwas kaputt sein musste. Dann ging’s los: Wer finanziert die Reparatur? Das Haus selbst besteht komplett aus Eigentumswohnungen, allerdings ohne Reparaturfond. Also gab’s Streit ein halbes Jahr lang, wer bezahlt die Reparatur? Schließlich hat sich dann der Vermieter unseres Ladens bereit erklärt, das Geld für die Reparatur vorzuschießen und sich das Geld von den Eigentümern wiederzuholen. Ein halbes Jahr später war das dann endlich geregelt.

Die Toiletten verfolgten uns auch im zweiten Laden. Bei der Eröffnung funktionierten die auf einmal nicht mehr. Das war schon mal der erste Hammer – aber wo findet man am Freitagabend um sechs noch einen Klempner? Die Bäckerei nebenan hat uns einen genannt, den haben wir direkt angerufen und der kam dann auch. Aber zur Eröffnung waren wir so pleite – wir hatten alles Geld ausgegeben, was wir hatten – dass wir dem Klempner sagen mussten: „Hör zu, wir können dich erst am Dienstag bezahlen.“ Da hat er sich gnädigerweise drauf eingelassen und sich das Geld am Dienstag abgeholt.

Dann hatten wir Spass mit Wasser. Unsere Vorgänger hatten die alte Kaffeemaschine mitgenommen, aber den Wasserabfluss nicht wieder verstöpselt. Wir haben gar nicht gemerkt, dass das Wasser da rauslief. Am zweiten Tag war dann alles nass hier. Dann gab‘s auch noch einen Stromanschluss, den sie auch nicht isoliert hatten. Das heißt, da war alles nass, ich fass dahinter … und bekomme so was von eine gewischt! Ja, also das mussten wir dann auch alles regeln.

Schwierigkeiten – Irgendwas oder wer funktioniert nicht so, wie Ihr Euch das vorstellt: Wen oder was fragt Ihr für eine Lösung?

Mittlerweile kriegen wir vieles selbst auf die Reihe. Schwierigkeiten gab es hauptsächlich mit Lieferanten, die nicht pünktlich sind oder die falsche Ware bringen – oder gar nicht kommen. Da hatten wir ziemliche Anlaufschwierigkeiten und mussten denen immer wieder auf die Füße treten. Natürlich, am Anfang waren wir Kleinabnehmer, haben nicht so viel Umsatz gemacht und waren denen ziemlich wurscht. Aber mit der Zeit sind wir gewachsen und nehmen jetzt mehr und mehr ab. Jetzt geht’s.

Herausforderungen – Wo wollt Ihr noch besser werden?

Kundschaft – Wir möchten mehr Kundschaft bekommen, speziell unter der Woche, wenn kein Fußballspiel ist. Zum Fußball-Gucken kommen die Leute. Aber wenn nichts in der Richtung los ist, dann möchten wir den Laden trotzdem füllen. Das ist jetzt unsere Herausforderung. Wir liegen hier in einem ganz normalen Wohngebiet, und viele unserer Gäste sind die ganz normalen Durchschnittsspanier: Familien, Ältere, Jüngere … Die sind neugierig und wollen auch ein bisschen was ausprobieren.
Dann gibt es in der Nähe das Messegelände bei der Plaza Espana mit vielen Ausstellungen, Messen und so weiter. Aus der Ecke kommen auch viele Gäste.
Und dann haben wir manchmal sogar Touristen, die direkt vom Flughafen, noch mit Koffern, zu uns kommen. Da sind wir wohl so etwas wie die erste Anlaufstelle, wahrscheinlich weil wir auch Englisch sprechen. Die kommen direkt zu uns reingerannt, stellen vorne die ab und gucken Bundesliga.

Werbung – Wir müssen uns mehr um die Werbung kümmern, zum Beispiel Flyer in den umliegenden Hotels und Hostels auslegen. Wir versuchen auch, in die diversen Reiseführer und Reiseportale reinzukommen. Aber die verlangen für Werbung natürlich entsprechen Geld. Es sei denn, die machen eine Reportage daraus, oder uns empfiehlt jemand als Tipp, so im Sinne von: „Geht da mal hin, die sind gut!“ Das ist ja der Tripadvisor-Effekt für uns, und auf jeden Fall ein Multiplikator.
Uns interessieren die Reiseführer, die auch auf Budget-Touristen abzielen – also auf Leute, die nicht in Fünfsternehotels buchen. Und da unsere Preise relativ im unteren Segment der Barcelona-Preise liegen, ist das eben auch eher unsere Zielgruppe. Wir haben auch schon diverse Reiseführer angeschrieben, aber da hat sich noch keiner gemeldet. Die kriegen über Barcelona natürlich insgesamt viel Input …

Zeitfaktor – Christian: Wir brauchen auch ein bisschen mehr Zeit für’s „Devil’s“. Ich habe ja noch meinen Tagesjob im Customer Service. Da betreue ich telefonisch Diabetes-Patienten, die mit ihren Geräten Probleme haben. Acht Stunden sind da am Tag weg. So habe ich wenig Zeit, mich um die PR zu kümmern und um Social Media. Wir haben mal so halbherzig mit Twitter angefangen. Da müssten mal wieder Fotos und Updates rein. Aber dazu komme ich momentan nicht.
Eric: Und auch an der Corporate Identity müssen wir noch was tun. Und unsere Einkäufe sollte jemand anders machen. Das mache ich jetzt alles selbst mit meinem Fahrrad. Alles geliefert zu bekommen ist teurer und auch der Großhandel ist teuer. Da kannst du günstiger in den kleinen Tante-Emma-Läden ums Eck einkaufen.

Treibstoff – Was motiviert Euch jeden Morgen, aus dem Bett zu steigen?

Es macht einfach saumäßig Spaß! Hier gibt’s Kunden, die bleiben für den Abend hier hängen – und werden plötzlich zu unseren Freunden. Du kommst rein als Kunde und gehst wieder als Freund.

Zukunft/Vision: Was ist bei „Devil’s Kitchen“ anders in 12 Monaten?

Ausstattung und Angebot – Wir wollen das Thema „Abendbrot“ mehr promoten. Das läuft ziemlich träge an. Zum Beispiel Brezel mit Auswahl extra, Käse, Schinken, oder Wurst dazu. Das wäre dann auch was für die Leute, die hierher kommen und nicht so viel Geld haben.
Wir bieten mehr Cocktails und Longdrinks, das läuft jetzt gut an.

Lokalerweiterung – Wir überlegen momentan, ob wir auch den Hinterhof dazu nehmen. Aber das ist natürlich eine Sache des Lärmpegels und fraglich ob wir dafür eine Lizenz bekommen.

Finanzen – Christian: Unsere Finanzlage soll sich weiter verbessern, so dass ich mehr Stunden hier sein kann und weniger in meinem anderen Job. Ich möchte jetzt demnächst schon ein paar Stunden dort reduzieren, denn auf die zweihundert Euro Unterschied vom Gehalt her kann ich dann auch verzichten. Unser Ziel ist natürlich, dass wir beide uns durch das Lokal hier ein volles Gehalt auszahlen können.

Mein Fazit:

Was für ein tolles ehrliches Interview. Ganz beseelt stiefelte ich mit meinem „Devil’s Bier“ unterm Arm zur Metro. Das Leben ist schön. In der Wohnung nur kurz den Krempel abgestellt und ab zum Strand. Auf einen wunderbaren Tag anstossen, mit tollen Begegnungen und vielen bleibenden Erinnerungen für meine Krafttankstelle. 

My life is fucking awesome!

>> Und gehst Du bei Deinem nächsten Barcelona-Besuch zu Christian und Erik ins „Devil’s Kitchen“?