Gastbeitrag von Sonja Theile-Ochel – Dein Café in der Presse? Du hast ein tolles Café und die leckersten Kuchen der Stadt? Dann willst du sicherlich auch, dass so viele Menschen wie möglich von deiner Gastronomie erfahren. Besonders wenn du gerade erst geöffnet hast oder dein Geschäft nicht in der besten Lage der Stadt liegt, ist zusätzliche Aufmerksamkeit immer hilfreich – und kann auch insgesamt nicht schaden. Neben Mundpropaganda und sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram ist die Aufmerksamkeit der Presse ein wichtiger Marketing-Baustein, auf den du als Café-Besitzer nicht verzichten solltest.

Für deine gastronomische Pressearbeit vor und nach der Eröffnung habe ich dir hier einen kleinen Leitfaden zusammengestellt.

Der Weg ist das Ziel

Medienwirksame Öffentlichkeitsarbeit, also Public Relation (abgekürzt PR), ist für die Gastronomie unerlässlich: Sie bringt die Menschen dazu, über ein Restaurant zu sprechen.

Neben Social Media hat die klassische Presse immer noch eine nicht zu unterschätzende Reichweite und Funktion als Meinungsbildner. Gerade die lokale Presse kann dir helfen, dein Café zum Thema zu machen. Aber auch hier gilt wie beim Netzwerken auf Social Media: Pressearbeit ist mehr ein Langstreckenlauf als ein kurzer Sprint ins Ziel. Es kann einige Zeit vergehen, bevor du die positiven Auswirkung gezielter Pressearbeit zu spüren bekommst.

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Dein Café in der Presse! Wie schaffst du das?

Du möchtest mit deinem Café-Konzept in die Presse. Da ist verständlich! Zeitungsartikel – gerade in der lokalen Tagespresse, aber auch in überregionalen Magazinen, verschaffen dir eine Menge Aufmerksamkeit und damit auch neue Gäste. Welche Schritte du gehen kannst, um die begehrte Aufmerksamkeit von RedakteurInnen und Journalisten zu erreichen, erfährst du in meinem 8-Punkte Plan:

1. Überleg dir dein PR-Ziel!

Überleg dir zunächst, mit welchem strategischen Ziel du dich an die Pressevertreter wendest:

  • Welche Botschaft möchtest Du übermitteln?
  • Geht es dir nur um eine kurzfristige Berichterstattung zur Eröffnung oder um eine regelmäßige Zusammenarbeit?

2. Recherchiere konkrete Ansprechpartner in den Redaktionen!

Die bittere Wahrheit lautet: Man muss sich schon ganz schön abstrampeln, um die Aufmerksamkeit gestresster Zeitungs-, Radio oder TV-Redakteure zu erlangen. Mit einer simplen Pressemitteilung ins allgemeine Postfach des Verlags geschickt, lockt man heutzutage keinen noch so neugierigen Journalisten aus dem Haus.

Mach dir also die Mühe und recherchiere die konkreten Ansprechpartnern in der Redaktion. Eine Zeitungsredaktion unterteilt sich in verschiedenen Ressorts wie Politik, Wirtschaft, Sport und Lokales. Aber auch hier gibt es weitere Unterteilungen: In der Lokalredaktion gibt es meist Spezialisten für ein bestimmtes Fachgebiet, die einen kümmern sich um die News aus der lokalen Politik, die anderen eher um das bunte städtische Leben.

Welche Autoren sich eher um die kulinarischen Themen kümmern, verrät dir der regelmäßige Blick in die entsprechende Zeitung oder ein Anruf im Verlag. Hier gilt: Keine falsche Schüchternheit! In der Regel sind die lokalen Redakteure sehr dankbar für Neuigkeiten.

3. Sei gut vorbereitet und erzähl keine Marketing-Märchen

Journalisten wollen ihre Leser mit echten Geschichten unterhalten und informieren. Nichts hassen sie mehr als oberflächliches Marketinggeblubber, deshalb erzähl deine Geschichte:

  • Was macht dich und dein Café-Konzept so einzigartig?
  • Wie bist du auf die Idee gekommen?
  • Wer ist der Mensch hinterm Tresen bzw. der funkelnagelneuen Siebträgermaschine?

Deine Story solltest du schon parat haben, bevor du zur ersten Kontaktaufnahme schreitest. Schreib sie am besten vorher auf und überlege dir einige knackige und aufmerksamkeitsstarke Kernbotschaften.

4. Vergiss nicht die fünf W’s des Journalismus

Jeder Journalistenschüler lernt als erstes die goldene Grundregel für Pressetexte: Beantworte im ersten Absatz deines Artikels die fünft W’s!

Und das sind sie – die goldenen Fünf: Wer? Wo? Wann? Wie? Warum?

Diese Regel solltest du auch für deine Pressemitteilung beachten (auch wenn du nicht wirklich eine offizielle Pressemitteilung brauchst. Warum erzähle ich dir unter Punkt 5). Die Antworten auf diese fünf Fragen solltest du immer knackig und parat haben. Einfacher ausgedrückt. Vergiss nicht, wichtige Termine wie den Eröffnungstag, die Adresse, den Betreiber des Restaurants und vor allem die Erreichbarkeit und die Verantwortung für Presseanfragen zu nennen.

5. Vergiss klassische Pressemitteilungen

Journalisten werden täglich mit Anrufen und E-Mails überflutet. Post, die nach einfallslosem Massenmailing aussieht, wandert meist sofort ins elektronische Papierkörbchen. Versuch durch einen Anruf den richtigen Ansprechpartner direkt ans Telefon zu bekommen und überzeuge mit deiner authentischen Geschichte.

Wenn du partout keinen zuständigen Kontakt bekommst, schicke eine persönliche Mail an die Zeitung. Persönlich bedeutet in diesem Fall: Personalisiert und individuell von A-Z. Die richtige Email-Adresse hast du ja schon herausgefunden. Nun schreibe auch die E-Mail mit deiner Neuigkeit so individuell wie möglich: Nenne den konkreten Ansprechpartner in der Anrede, bleibe im Sprachstil authentisch und formuliere deine Einladung bzw. Botschaft so persönlich wie möglich.

Vermittle dem Adressaten deiner Mail mit jedem Buchstaben, dass du die Zeilen nur für ihn geschrieben hast.

6. Vergiss nicht klassische PR-Elemente

Bei aller Liebe zum geschriebenen Wort sind Journalisten auch visuelle Menschen, bei denen gilt: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ansprechende Bilder spielen gerade in der Gastronomie eine wichtige Rolle, schließlich isst das Auge mit. Es spricht bei aller individuellen Ansprache nichts dagegen für deine Pressearbeit attraktive und professionelle Fotos deines Gastronomiebetriebes, von dir als Besitzer und natürlich von deinen kulinarische Kreationen deinem Pressemailing beizufügen.

Basis-Informationen dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen, sprich Kontaktdaten, Adresse, Öffnungszeiten, Infos zu deiner Webseite und deinen Social Media Profilen.

Wenn du dann deinem Presse-Mailing noch die Infos zu deinem neuen Café als Kurz- und als Langversion mitschickst, ist das fast schon hohe PR-Kunst.

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7. Inszeniere deine Eröffnung als Event oder lass es!

Wenn du zur großen Eröffnungsparty neben Freunden und neuen Gästen auch offizielle Pressevertreter einladen willst, sorge dafür, dass das Event professionell abläuft. Deine Eröffnungsfeier ist an diesem Tag deine Visitenkarte, für die es keine zweite Chance gibt. Wenn du dir nicht sicher bist, dass an diesem Tag alles perfekt abläuft, verzichte lieber darauf, Pressevertreter zur Feier einzuladen. Für eine zweiten Eindruck fehlt im hektischen Redaktionsalltag oft die Zeit.

8. Beachte den Redaktionsschluss

Bei den klassischen gedruckten Publikationen gibt es einen klar definierten Zeitpunkt, bis zu dem noch Änderungen am Inhalt der Seite vorgenommen werden können. Die grobe Planung einer Zeitungsseite für eine Tageszeitung ist in der Regel bereits am Vortrag, spätestens jedoch am Vormittag für den nächsten Drucktag abgeschlossen. Bei wöchentlich oder gar monatlichen Publikationen kann der Redaktionsschluss schon Wochen vor der Erscheinung sein. Was heißt das für dich und dein Pressearbeit? Informiere dich, welche frühzeitig, welche Termine es bei deinem Zielmedium zu beachten gibt.

In Köln gibt es beispielsweise den Gastroführer „tagnacht“, der nur einmal jährlich im April erscheint. Die „tagnacht“ dient vielen Kölner übers Jahr als Nachschlagewerk und Inspiration um die kulinarische Vielfalt der Stadt zu erkunden. Wenn man dort als Café oder Restaurant nicht gelistet ist, nehmen viele Kölner dich als gastronomischen Betrieb nicht wahr – du fällst quasi aus dem Radar. Der Redaktionsschluss für das Heft ist tatsächlich schon im Oktober, also fast ein halbes Jahr bevor die „tagnacht“ in gedruckter Form am Kiosk oder Buchhandlung liegt. Dieses kleine Beispiel aus Köln soll dir zeigen, wie wichtig es ist, sich Gedanken um den Redaktionsschluss zu machen.

Mit deinem Café oder Gastro in die Presse – Fazit

Gute Pressearbeit soll kein Schnellschuss aus der Hüfte sein, sondern gut vorbereitet und authentisch daher kommen. Denk aus dem Blickwinkel der Journalisten:

Welches Thema, welche Story könnte interessant für deren Leser sein? 

Wenn du ihnen alle Informationen in mundgerechten Happen servierst, erhöht sich deine Chance, mit deinem Café-Konzept in der Presse zu erscheinen.

Über die Gastautorin

Sonja Theile-Ochel ist Journalistin, Social Media Beraterin und begeisterte Gastronomin. Mit ihrem Restaurant “rhein + wiese” hat sie erfolgreich die Südtiroler Küche nach Köln geholt. Nach der Schließung berät und unterstützt sie nun mit ihrer Kölner Agentur “Rheinda” Unternehmen bei ihrem Online-Auftritt – vom Webseiten-Konzept bis zur Content-Erstellung. Als Autorin schreibt sie für gastronomische Branchenmagazine und ist als Dozentin für Themen rund um Social Media tätig.

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