Gastronomie Pläne ausgeträumt – Im März 2018 erzählte uns Hung Tieu im „Gründertagebuch Restaurant eröffnen“ von seinem Gastro-Konzept. In Stuttgart wollte er gemeinsam mit seiner Frau Thanh Thu das vietnamesische Restaurant MÓN ĂN eröffnen.

Einige Zeit ist vergangen und ich bin neugierig, wie weit Hung seine Gastro-Pläne umgesetzt hat.

Ups! Alles anders als gedacht. Zurück auf LOS. Hung hat neue Berufspläne. Seine Gastro-Idee ist gestorben.

Im Interview erzählt Hung, wie er zu dieser Entscheidung kam, warum seine Familie dabei eine zentrale Rolle spielt und wo seine berufliche Reise jetzt hingeht.

Wie kam es bei dir zu dieser Entscheidung? Gab es da einen speziellen Moment oder ein bestimmtes Ereignis?

Ja, das gab es auf jeden Fall – einen Auslöser, der mich dazu gebracht hat, mein Gastronomiekonzept noch einmal neu daraufhin zu überprüfen, ob es denn auch in den nächsten Jahren Bestand haben könnte.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits die Finanzierung mit den Banken geklärt und auch den kompletten Businessplan fertig. Ich hatte sogar ein vierwöchiges Praktikum im Servicebereich eines Gastronomiebetriebs gemacht. Mit 40 Jahren ist das schon irgendwie cool, noch einmal Praktikant zu sein.

Schon Location in Aussicht

Ich war auch schon so weit, dass ich mich in Bezug auf die Location mit dem entsprechenden Vormieter geeinigt hatte. Gescheitert ist es, nachdem der Eigentümer der Location es sich dann doch anders überlegt hat.

Als ich die Absage bekam, stellte ich fest, dass mir das vom Bauchgefühl her gar nicht allzu wehtat.

Nach der ganzen Arbeit, die ich da hineingesteckt hatte, ging meine Reaktion eher in die Richtung: „Na ja, dann halt nicht!“ Aber in das sprichwörtliche „Loch“ gefallen bin ich emotional gesehen nicht. Dann habe ich in mich hineingespürt um zu sehen, woran das denn liegen könnte. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht darüber im Klaren, inwieweit es als Erklärung zutraf, aber eine Erklärungsmöglichkeit war einfach die Erleichterung und die mögliche Erkenntnis, dass das Ganze vielleicht eben doch nichts für mich war. Eben das wusste ich allerdings noch nicht genau.

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Auf einmal Leerlauf – Reflektion

Diesen Leerlauf, als auf einmal die Location weg fiel, habe ich zum Anlass genommen, mir noch einmal grundsätzlich ein paar Fragen zu stellen:

  • Will ich das tatsächlich?
  • Was möchte ich erreichen?
  • Was kann ich denn überhaupt?
  • Was sind meine Stärken, und was sind meine Bedürfnisse?
  • Passt das überhaupt alles zusammen?

Diese Fragen hatte ich mir vorher nur oberflächlich gestellt. Man kann sich ja relativ schnell darauf Antworten geben: „Ja, ja, klar, das ist mein Ziel. Ich möchte gastronomisch erfolgreich sein!“ Mein Ratschlag ist aber, wirklich noch einmal gewissermaßen die Überlegungen auf „Null“ zurück zu stellen und nicht sofort diese erste Antwort, die man sich da selbst gibt, als endgültig anzusehen. Stattdessen sollte man sich damit wirklich noch einmal intensiver befassen, die eigenen Motive und ersten Antworten weiter hinterfragen.

Meine Familie ist mir wirklich wichtig

Dabei habe ich nämlich für mich herausgefunden, was für mich wichtig ist. Da spielt sogar ein bisschen Biographie-Arbeit mit hinein, und da zeigt sich bei mir sehr deutlich: Das Thema Familie ist mir extrem wichtig – für die Familie da zu sein und Zeit für sie zu haben. Eben das waren ja auch seinerzeit Gründe für mich gewesen, die Unternehmensberatung zu verlassen. Eigentlich hätte ich mir das schon viel früher vor Augen halten sollen.

Ich hatte inzwischen nicht nur mein Praktikum gemacht, sondern auch mit vielen Gastro-Unternehmern gesprochen und mir deren Leben angeschaut. Dabei habe ich festgestellt, dass es da zwei Varianten gibt:

  • Du bist selbst anwesend in deinem Laden
  • Du bist der typische Unternehmer und arbeitetest am Unternehmen.

In beiden Fällen trägt man eine Riesen-Verantwortung für viele Mitarbeiter. Und du bist entsprechend zeitlich eingebunden.

Ich habe bei all diesen Gastro-Unternehmern gesehen, dass das Thema Familie immer ein Spannungsfeld war.

AUS für meine Gastro-Pläne

Schließlich habe ich mir gesagt: Na ja, jetzt in die Gastronomie zu gehen, vielleicht ist das etwas, dass mich langfristig nicht glücklich macht. Vielleicht gibt es da einfachere Wege.

Das Ergebnis war bei mir dann letztendlich die Entscheidung: „Nein, ich möchte das gar nicht!“ Es ist ein tolles Projekt gewesen. Aber mir wäre sicher in den nächsten fünf Jahren die Luft ausgegangen – bzw. in fünf Jahren hätte ich mich dort sowieso nicht mehr gesehen.

Und dann?

Die nächste Frage war dann: „Gut, jetzt weiß ich, was ich nicht möchte – aber was möchte ich denn eigentlich?“ Und das hat mich dann auf eine andere spannende Reise geführt.

Und was machst du jetzt?

Mein nächster Schritt war die Frage – wie Simon Sinek es ausdrückt: „Was ist denn dein Warum?“ Ich habe also einige Gespräche geführt und Coachings mitgemacht und bin auf diese Weise meinem „Warum“ immer näher gekommen.

Was ist mein WARUM?

Mein Warum ist der Wunsch, Menschen zusammenzubringen – daher eben auch der ursprüngliche Gastro-Gedanke.

Außerdem liegt mir das „Ordnung-Schaffen“ angesichts komplexer Situationen, und ich arbeite sehr gern strukturiert und finde Zusammenhänge. Das sehe ich als meinen Beitrag, damit Menschen Neues lernen und entdecken können und auf diese Weise mehr aus ihrem Leben machen können, als sie allein im Stande wären. Das ist ein Beitrag, den ich leisten möchte und von dem ich sagen kann: „Ja, da sehe ich mich.“ Der wird auch länger als fünf Jahre halten, denn er entspricht einfach der Art und Weise, wie ich „gestrickt“ bin: ein bisschen idealistisch, ein bisschen prinzipienorientiert, und dazu noch sehr neugierig.

Ich liebe es mit Menschen zu arbeiten

Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten und sie bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. Deshalb habe ich mich entschlossen, mich mit den Themen Training und Coaching weiterzuentwickeln. Ein wenig ist das auch wieder eine Hinwendung zu dem, was ich vorher gemacht habe: Ich war ja in verschiedenen Unternehmen unterwegs und habe dort Projekte als Führungskraft durchgeführt.

Das, was ich jetzt machen möchte, ist die Begleitung von Projektmanagern und jungen Führungskräften, oder auch von Menschen allgemein, die sich in irgendeiner Form neu erfinden müssen. Die unterstütze ich als Coach, bzw. in Form von Trainings.

Damit beschäftige ich mich inzwischen seit mehreren Wochen und habe auch Geld investiert, um jetzt eine Coaching-Ausbildung zu starten um mein Handwerkszeug zu lernen.

Auf meiner neuen Website, die ich gerade aufbaue, stelle ich Schritt für Schritt mein Angebot und mein Portfolio ein. Da bin ich zurzeit noch in der Findungsphase, fange aber jetzt ganz konkret mit dem Thema Projektmanagement an, und zwar in Richtung von Workshops mit angehenden Projektleitern, um deren Projekt zu strukturieren, sich darauf vorzubereiten usw.

Welche drei Tipps gibst du mit deiner Erfahrung – jetzt anderen Café-Gründern in spe mit auf den Weg?

  1. Du und dein Café – passt ihr wirklich zusammen?:
    Gleiche dein Konzept noch einmal grundsätzlich mit dem ab, was du in deinem Leben erreichen möchtest. Gehe dabei aber auch noch einen Schritt tiefer und vergleiche es mit den Motiven, die du in dir trägst. Frage dich dabei, ob du dich mit einem Konzept auch noch langfristig, d.h. in fünf bis zehn Jahren, sehen kannst.
  2. Geh in die Praxis – arbeite in der Gastro:
    Sprich nicht nur mit anderen Menschen aus dem Bereich darüber, sondern ergreife Gelegenheiten, um solche Gastro-Tätigkeiten auch selbst zu machen und zu merken, wie es sich anfühlt. Begleite die Leute und schau, mit welchen Themen die sich auseinandersetzen. Mach ein Praktikum bei denen, aber beschäftige dich dabei auch mit den unternehmerischen Aspekten.
  3. Identifiziere deine Stärken und Schwächen – Und beantworte dir die Frage: Wo stehe ich in fünf Jahren?
    Ich erinnere mich noch an meine ersten Bewerbungsgespräche nach dem Studium. Man stellt sich da ja vor, dass da jemand vom Fachbereich dabei ist und jemand aus dem Personalbereich. Man bereitet sich inhaltlich auf die möglichen Themen vor, die aus dem fachlichen Bereich kommen usw. Und dann ist da jemand aus dem Personalbereich, der von den fachlichen Themen keine Ahnung hat.

Aber dann kommen diese klassischen Fragen:

* Was sind denn Ihre Stärken und Schwächen?
* Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“

Da habe ich mir immer was im Vorfeld überlegt, wie zum Beispiel: „Meine Schwäche ist, dass ich nicht perfektionistisch bin“ – oder etwas in der Art.
Heute, nach rund 15 Jahren, sehe ich es genau andersherum. Ich glaube, die Fragen, die der Personaler stellt, sind tausendmal wichtiger als das, was fachlich gefragt wird. Wenn man sich nämlich wirklich mit diesen Fragen beschäftigt, kommt Wunderbares heraus:

* Was ist mein Zweck der Existenz?
* Wo möchte ich hin?
* Was sind meine Stärken?

Man sollte das nicht einfach als unwichtige Personalerfragen abtun, sondern man kann da auch wirklich tiefer gehen. Und wenn man das tut, kann es sich wirklich lohnen.

Lieber Hung, herzlichen Dank für deine Offenheit. Toll, dass du deine Gedanken mit uns teilst. Ich wünsche dir viel Erfüllung und Erfolg für deine berufliche Zeit. Und viel wunderbare Zeit mit deiner Familie. Alles Gute!

Gastronomie Plan ausgeträumt

Hung hat seine Gastronomie-Pläne überdacht und die Entscheidung getroffen: „Nein, ein Restaurant ist doch nicht das Richtige für mich.“

Du hast den Herzenstraum vom eigenem Café? Ich freue mich riesig, wenn du diesen Traum mit einem fundierten Konzept und Businessplan verwirklichst. Aber, weil so viele Cafégründungen den Bach runter gehen, ermutige ich dich noch einmal in dich zu gehen und dich zu fragen: Ist ein Café (jetzt) wirklich das Richtige für mich?

Ich spreche mit vielen Interessenten, die sooo gerne ihren Traum vom eigenem Café verwirklichen wollen. Hier sind drei Probleme, die ich in Gesprächen identifiziert habe:

  1. Falsche Erwartungen an die Selbständigkeit mit einem Café
  2. Zu wenig Gastro-Erfahrung und fehlender Unternehmergeist
  3. Ein eigenes Café ist nicht der heilige Graal

Genauso wie Hung es getan hat, empfehle ich euch vor dem Schritt in die Cafégründung eine persönliche Inventur mit der Beantwortung wichtiger Fragen. Hier gibt es Empfehlungen für deine nächsten Schritte.

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Lesetipp >> Cafégründung: Schritt-für-Schritt zum eigenen Café