SEI EIN WUNDERSCHÖNER CUPCAKE IN EINER WELT VOLLER MUFFINS! – Das ist das Motto von Martina Leyh, der Inhaberin des BlueBerries Café in Augsburg. Am Jakobsplatz 30 hat sich die ausgebildete Arzthelferin mit viel Herzblut ihren Traum vom eigenem Café verwirklicht.

Die Tür des BlueBerries öffnet sich. Magisch wird mein Blick angezogen von den bunten Muffins, Torten und Donuts. Eine Augenweide. Und es gibt Cookie Dough! Den habe ich noch nie probiert. Die Auswahl fällt schwer. Die kleinen Kunstwerke wollen alle zu mir.

Martina ist heute schon zweifache Gründerin. 2015 eröffnete sie zunächst den winzigkleinen BlueBerries Shop, gegenüber vom heutigen Café. Schnell war klar, da muss was Grösseres her. So mietete sie Ende 2016 eine Ladenfläche in Sichtweite und eröffnete hier das BlueBerries Café. Im „alten“ Shop wird heute produziert.

Das die Gastro Hardcore ist, wie Martina selbst sagt, das wusste sie. Jahrelang hatte sie in Augsburg in verschiedenen Restaurants gearbeitet. Aber, dass es so hart werden würden, ihre eigene Chefin zu werden, darauf war sie nicht vorbereitet. Die vielen Auflagen der Ämter machten ihr zu schaffen. So musste sie die (verkürzte) Konditorenprüfung absolvieren und eine vom Bauamt eingeforderte Nutzungsänderung legte die Renovierungsarbeiten in ihrem Café für mehrere Wochen lahm.

Wie Martina es schaffte mit wenig Kapital, sehr grossem persönlichen Einsatz alle Hürden zu überspringen, das erfahrt ihr im heutigen Interview.

Was ist das „Café BlueBerries“?

Im Blueberries ist ganz viel Herzblut von mir. Es ist ein Cupcake-Shop, ein Café und eine kleine Konditorei mit vielen kreativen Süßwaren.

Dein USP – was ist beim Café BlueBerries anders als bei anderen Cafés?

Bei uns gibt es ganz viel Individuelles und Kreatives an Stelle des ganzen Franchise-Wesen. Wir sind immer offen für Neues und bieten immer wieder unterschiedlichste Produkte da. Weil wir an niemanden gebunden sind, können wir im Großen und Ganzen machen, was wir wollen. Jetzt biete ich Cookie-Dough an. Das fand sogar das Fernsehen spannend und so kam „Hallo Augsburg“  zum Dreh vorbei.

Der Cupcake-Himmel in Augsburg <3

Wir haben uns quer durch die zuckersüßen Leckereien im Blueberries gefuttert. Unser Favorit? EINDEUTIG der Cookie Dough!

Posted by HalloAugsburg on Dienstag, 26. September 2017

Motivation – Wann hast du gegründet? Und warum?

Ich bin gelernte Arzthelferin. Diesen Job habe wirklich gern gemacht, war Feuer und Flamme dafür. Aber es hat mir irgendwie nicht gereicht. Irgendwann war ich dem Punkt, dass es keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr für mich gab. Ich hätte nie mehr sein können als Arzthelferin.

So habe ich auf dem Zweiten Bildungsweg 2013 erst einmal mein Abitur nachgeholt und wollte danach eigentlich Soziale Arbeit studieren. Allerdings habe ich dann keinen Studienplatz bekommen, weil meine Noten nicht gut genug waren. So bin ich dann doch wieder zurück in die Arztpraxis.

Da war ich ein knappes halbes Jahr und dann hatte ich meine Blueberries-Idee. Ich war früher schon einmal zwei Jahre lang in der Gastronomie tätig gewesen. Das war so richtig Hardcore-Gastro. Diese Zeit hat mich verfolgt und nicht mehr in Ruhe gelassen. Es war also nicht einfach so eine kleine, vorübergehende Schnapsidee, sondern hat mich wirklich nächtelang beschäftigt. Also habe ich mich hingesetzt und einen Businessplan geschrieben. Das war gegen Ende 2014/ Anfang 2015.

Ich esse sehr gern Süßes. Natürlich gibt es in Augsburg Konditoreien. Nichts gegen die, aber das war doch alles ein bisschen althergebracht. Ich war der Meinung, dass so eine Möglichkeit, etwas Moderneres wie Cupcakes zu kaufen, hier wirklich fehlt. Soweit also die Ideenfindung. Die jungen Leute wollen Cupcakes! Die Food-Trends aus den USA und Japan schwappen irgendwann auch zu uns rüber. Ich versuche, das ein wenig aufzufangen und an unseren Geschmack anzupassen.
Im Blueberries kann ich wunderbar meine Kreativität einfließen lassen. Das ist genau meins. Aus den Cupcakes kann ich alles Mögliche machen: Monster, Einhörner, Eulen …

STECKBRIEF BLUEBERRIES
Adresse: BlueBerries Café, Jakobsplatz 30, 86152 Augsburg, Telefon: 0821/32877216 www.blueberries-cupcakes.de

Öffnungszeiten: DO – SA von 11:00-19:00 Uhr, SO und feiertags von 11:00 – 17:00 Uhr

Betreiberin: Martina Leyh

Eröffnung: 03.05.2015: 1. BlueBerries Jakobplatz 13, Hausnummer 3 und 01.07.2017: 2. BlueBerries Café Jakobplatz 30

Geschäftsmodell: Café mit Schwerpunkt auf Cupcakes, Kuchen und Cookie Dough

Besonderes: Es gibt auch Catering

Mitarbeiter: 1 Aushilfe auf 25-Stunden Basis 

Grösse: 44 qm

Kapazität: 20 Sitzplätze innen, 6 Sitzplätze draussen

Finanzierung:  50% Eigenkapital, 50% Fremdkapital durch Bankkredit

Umsatzverteilung: 60% Catering, 40% Café

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BIO MARTINA LEYH
Martina Leyh
seit 05/2015 – heute: Inhaberin und Geschäftsführerin von BlueBerries

Ausbildung:
2003 – 2006: Ausbildung zur Arzthelferin in Kinderarzt-Praxis, Augsburg
2010 – 2013: Fachabitur an der BOS Augsburg

Berufserfahrung:
2007 – 2009: Arzthelferin, Augsburg
2008 – 2010: Arbeit in verschiedenen Gastronomien, Augsburg
2014: Hortbetreuung im Kinderheim; Arbeit in Arztpraxis, Augsburg

BLUEBERRIES CAFÉ UND SEINE Philosophie
Meine Vision ist das Blueberries zu einem Café der Zukunft zu machen, in dem Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt. Und da der Trend immer mehr zu Selbstgemachtem anstatt zu Massenware geht, sind wir auf dem besten Weg dieses Ziel zu erreichen. Auch arbeiten wir im Bluebberries nur mit den besten Rohstoffen, die wir fast ausschließlich regional beziehen

Mission: Wir wollen Produktion, Umwelt und die verschiedenen Lebensweisen unter einen Hut bringen. Auch setzen wir auf Nachhaltigkeit und kommen ohne Plastik aus, wenn es irgendwie geht. Die Kundenwünsche sind uns wichtig und so gibt es bei uns auch Lactosefreies, Low Carb, Veganes etc. Da alles selbst gemacht ist fällt es mir nicht schwer auf diese speziellen Wünsche meiner Kunden einzugehen.

 

Meilensteine – Was waren die größten Meilensteine bis zur Eröffnung? Und danach?

Mitte 2015: Blueberries-Idee entsteht

Anfang 2015: Ich schreibe meinen Business-Plan

Februar 2015: Mietvertrag unterschrieben für Jakobsplatz 13
Das Ladenlokal zu finden, das war wie eine Eingebung. Meine Mutti hat sich das von draußen angeschaut und mir dann gesagt: „Ich hab dich gesehen dort in dem Laden. Das ist dein Laden!“ Dann habe ich ziemlich schnell den Mietvertrag unterschrieben, mit Start Februar 2015. Und dann ging es auch schon los mit der Renovierung. Dafür haben wir drei Monate gebraucht.
Das Tolle war, mein Vermieter wusste von Anfang an, was ich hier vorhatte. Er hat mir in Bezug auf die Ämter fast alles abgenommen, so z.B. in Bezug auf die Nutzungsänderung, Stellplatzordnung. Das habe ich alles im Nachhinein erfahren.

03.05.15: Eröffnung vom 1. Blueberries, Jakobplatz 13, Hausnummer 3
Wir haben wirklich ganz klein angefangen: Fünf Plätze, Backstube, Kaffeemaschine und Milchaufschäumer. Es gab die Cupcakes, und dann noch Eistee. Ich hatte mir gedacht, bevor ich hier etwas anfange und die Leute es vielleicht gar nicht annehmen, probiere ich es für den Anfang lieber ganz klein. Wir haben deshalb also so wenig finanzielle Mittel wie möglich hereingesteckt und natürlich jeden Kredit, den wir aufnehmen mussten, auch wieder abbezahlt.
Platzmäßig sind wir natürlich fast aus allen Nähten geplatzt. Das Thema der Vergrößerung kam natürlich auf.

09.11.16 Handwerksprüfung zur Konditorin bestanden
Der größte Meilenstein war allerdings das Bestehen der Handwerksprüfung zur Konditorin. Ich musste speziell beantragen und begründen, warum ich die verkürzte Variante machen will und nicht die komplette Ausbildung zur Konditorin, die drei Jahre gedauert hätte. Von der Meisterprüfung ganz zu schweigen.
Aber es war auch so ziemlich happig: Die Kunden haben sich hier teilweise ihren Kaffee selbst gemacht und selbst ihre Getränke geholt, weil ich acht Stunden am Tag hinter den Büchern gesessen habe: Arbeitsrecht, Steuern, Rechnungswesen, Buchhaltung. Dazu noch fachspezifisches Wissen und die Vorbereitung auf die praktische Prüfung. Da steckte schon einiges dahinter.

Weihnachten 2016: Mein kleines Blueberries platzt aus allen Nähten
Ich bekam mehr und mehr Cateringanfragenk. Es wurde schwer große Aufträge wie z.B von Porsche über 1.000 Cupcakes zu bearbeiten und dazu noch das normale Tagesgeschäft am Laufen zu halten. Die Produktion war bei so wenig Platz nicht einfach. Auch waren einfach zu wenige Lagermöglichkeiten, z.B. für Kühltheken gegeben.

Februar 2017 : Mietvertrag für das 2. grössere Blueberries, Jakobsplatz 30, unterschrieben
Im Februar habe ich den Mietvertrag unterschrieben

Ich hatte glücklicherweise einen Bekannten, der Elektriker ist und dazu noch zwei, drei Freunde. Das tolle Wandbild hat z.B. mein Tätowierer Uli Schildhauer an die Wand gepinnt. Die Renovierung selbst ging relativ schnell. Was wir aber nicht wussten, dass wir für mein Café eine Nutzungsänderung brauchten. Wir hatten schon mit dem Renovieren angefangen, bevor wir davon wussten. Ich hatte noch mit dem Gesundheitsamt telefoniert und Bescheid gesagt, dass wir jetzt renovieren. Aber, die haben mich dann ans Ordnungsamt verwiesen, die dann wieder ans Bauordnungsamt. Da kam schließlich heraus, dass ich eine Nutzungsänderung beantragen muss. Das bedeutete für uns einen vorübergehenden Baustopp, bis die durch war
Und dann habe ich mir die Bauakten geholt. Für die Nutzungsänderung brauchte ich einen Bauingenieur, einen Architekten, einen Statiker – alles in dreifacher Ausführung. Da mussten dann neue Pläne erstellt werden usw.

01.07.2017: Eröffnung vom Blueberries Café (Jakobsplatz 30)
Heute ist das 1. Blueberries meine Produktionsstätte für meine Cupcakes & Co. Mein Café ist auf von Donnerstag bis Samstag von 11:00 bis 19:00 Uhr, sowie sonn-und feiertags von 11:00 – 17:00 Uhr

Finanzierung – Wie hast du dein Startkapital zusammenbekommen?

Das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital war bei mir etwa 50:50. Ich hatte zum Start einen Stillen Teilhaber, den ich später ausbezahlt habe. Nächstes Jahr bin ich mit allen Rückzahlungen durch – dann bin ich auf null.

Wir haben es geschafft, die finanziellen Investitionen in Grenzen zu halten, weil wir möglichst viel selbst gebaut haben. Die Bank hier im Café haben wir komplett selbst gebaut, die Theke selbst umgebaut, die Küche eingebaut, selbst gestrichen und auch die Lampen sind Marke Eigenbau.

Luftsprung – was war das Schönste, das du mit dem BlueBerries Café erlebt hast?

Das Schönste am Blueberries habe ich eigentlich jeden Tag. Ich liebe es, wenn meine Kunden in den Cupcake-Karton hineinlächeln und freudig das Blueberries verlassen. Denn dann weiß ich: Ich habe mit meinen Süßigkeiten wieder ein Lächeln gezaubert.

Turbulenzen – Was waren die größten Schwierigkeiten im Gründungsprozess? Und danach?

Schwierig fand ich die Handwerksprüfung und die ganzen Auflagen, die ich erfüllen musste. Für das Gesundheitsamt musste ich dann in der Produktion überall Fliegengitter an den Fenstern anbringen. Dann kommt vom Amt jemand vorbei und nimmt das ab.

Ein anderes Beispiel war meine erste Teilnahme an einem Streetfood-Festival. Im Juli 2015 hatte ich zugesagt, an einem teilzunehmen. Allerdings hatte ich gar keine Vorstellung davon, was da auf mich zukommt. Es fand auf einem Festgelände statt, und es war wirklich sehr viel los. Mir sind bei 35 Grad Außentemperatur quasi die Cupcakes in meiner Vitrine zerschmolzen. Das war dann auch noch emotional sehr anstrengend. Mein Lieferant, der dann Cupcakes nachbringen sollte, stand dann auch noch im Stau. Das war zwei Tage lang, und nach dem Wochenende habe ich wirklich gewusst, was ich geleistet hatte!

Zukunft – Was ist im Café BlueBerries in 12 Monaten anders als heute?

In 12 Monaten gibt es sonn- und feiertags im Blueberries Frühstück und Brunch. Auch das Catering wollen wir weiter ausbauen.

Tipps – Was sind deine 3-Top-Tipps für heutige Cafégründer?

  1. Mutig sein: Du brauchst viel Mut, musst dir was zutrauen und ggf. dann auch mal eine falsche Entscheidung treffen.
  2. Finanzen im Griff haben: Du musst den Überblick über deine Finanzen behalten. Glaube nicht, dass alles Geld, das du eingenommen hast, dir dann tatsächlich auch selbst gehört. Geschäft und Person sind nämlich zwei ganz unterschiedliche Konten.
  3. Gesund bleiben: Gesundheit ist wichtig. Denn wenn du selbstständig bist, dann solltest du niemals krank sein.

Schwerpunkt 2017: #AUFGEBRÜHT – Café eröffnen

 

Martina Leyh ist mit ihrem Café BlueBerries in der 20-teiligen Interviewserie mit Cafégründern dabei.

Die Interviewserie ist Teil von #AUFGEBRÜHT – Café eröffnen und 2017 der Themenschwerpunkt beim Specht. Und das serviere ich euch:

  1. 20-teilige Interviewserie Café eröffnen mit Cafégründern aus Deutschland
  2. Das eine Ding – Research direkt am Tresen
  3. Onlinekurs mit Schritt-für-Schritt-Anleitung Café eröffnen – ab Herbst 2017.  Du willst nichts vom Kurs verpassen? Dann trage dich hier in die Interessenten-Liste ein. Ich halte dich auf dem Laufenden.
Du hast vor ein Café zu eröffnen und schon jetzt Lust dich mit anderen Cafégründern und mir auszutauschen? Lust mit deinen Fragen auch den Kursinhalt mitzugestalten? Dann komme in meine geschlossene Facebook-Gruppe: #AUFGEBRÜHT – Onlinekurs Café eröffnen. Ich freue mich auf dich!

Bettina Sturm ist Beraterin, Buchautorin und Bloggerin. Sie zeigt besonders Quereinsteigern, wie sie ihren #Lebenstraum Café oder Restaurant eröffnen verwirklichen und ein Business schaffen, das sie dann auch finanziell trägt.
Sie lebt mit ihrer Familie in München und liebt third-wave Kaffee, Croissants und dunkle Schokolade. Und glücklicherweise denkt sie immer nur an gutes Essen.

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