Den Traum vom eigenen Café haben viele – genauso viele scheitern. Doch was sind die größten Stolpersteine?

Ja, die Scheiterquoten in der Gastronomie sind hoch. Jede 2. Gastronomie wird innerhalb von drei Jahren wieder geschlossen. Viele schliessen sogar schon innerhalb der ersten sechs Monate.

In diesem Blogpost zeige ich dir fünf Gründe, warum viele Cafégründer und Gastronomen mit ihrer Existenzgründung scheitern. und zum Schluss gibt es eine Anleitung, wie du es besser machen kannst.

Grund 1: Konzept geht nicht auf

Du kannst backen, du magst guten Kaffee und bist die geborene Gastgeber/in. Wunderbar, aber bloß mit einem Lächeln Kaffee und Kuchen in hübschem Ambiente zu servieren, wird nicht zu unfassbarem Erfolg führen. Dein Café braucht ein richtig gutes Konzept.

Drei Merkmale, mit denen du punkten kannst:

  • Einzigartigkeit: Wodurch machst vor allem du durch deine Persönlichkeit, deine Hobbys und Werte dein Café zu etwas ganz besonderem? Was unterscheidet dich?
  • Zielgruppe: Wer ist dein Wunschgast?
  • Angebot: Wann und was gibt es bei dir?

Soweit die Theorie… Aber was bedeutet das für die Praxis?

Praxisbeispiel Klasse Konzept: „Kitchen2soul“ in München

Anfang 2015 setzten sich die beiden Freundinnen Katrin und Tatjana hin und reflektieren über den beruflichen Status und Träume. Sie kennen sich seit der Schule und überlegten, was sie denn zukünftig beruflich machen könnten. Beide haben dann die gleiche Idee: Wie wäre es mit einem Coaching-Café?

Und mit was für einem Angebot? Was mit… Persönlichkeit – im wahrsten Sinne. Denn beide beschäftigen sich mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung. Sie wollen einen Ort schaffen, wo die Zielgruppe die Seele baumeln lassen kann, es Veranstaltungen zur Persönlichkeitsentwicklung gibt, lecker Kaffee und Gäste, die am Ende des Tages ein bisschen glücklicher nach Hause gehen. Damit schufen sie anhand der drei bereits genannten Merkmale die Grundlage für das erfolgreiche Konzept des Kitchen2soul.

Konzept, das ankommt, weil:

  • Einzigartig mit dem Thema „Persönlichkeitsentwicklung“ im Mittelpunkt
  • Zielgruppengerecht mit einem Draht zu den Menschen, die sich für „Persönlichkeitsentwicklung“ interessieren. Aber, auch mit Fokus zu den Bedürfnissen/ Themen besonders der Frauen in ihrem Stadtviertel
  • Vielfältiges Angebot bestehend aus den drei Säulen Cafébetrieb, spezialisierter Buchhandlung, Veranstaltungen und Raumvermietung

Fazit: Katrin und Tatjana haben sich ein einzigartiges Konzept für ihr Café gestrickt, das nicht mal eben kopiert werden kann und viel von dem widerspiegelt, was die beiden Gründerinnen ausmacht.

Grund 2: Finanzierungsfehler

Ohne Moos nix los! Die wenigsten Cafégründer können die Eröffnung ihres Ladens komplett aus eigener Tasche zahlen, sondern sind auf wohlgesonnene Verwandte, Banken oder mögliche Fördertöpfe angewiesen. Doch was kostet es denn eigentlich, ein Café zu gründen und was sind die größten Posten?

  1. Gründungskosten: Was verlangen Behörden für die Gewerbeanmeldung, mögliche Umnutzungsanträge etc. von dir? Was der mögliche Vorbesitzer an Abstandszahlungen?
  2. Investitionskosten: Welche Summe musst du in die Renovierung bzw. Instandsetzung und Ausstattung der Räumlichkeiten stecken, um sie in dein Café zu verwandeln?
  3. Laufende Kosten: Was kostet dich der Betrieb deines Ladens jeden Monate an Miete, Strom, Instandhaltung, Wareneinkauf, Personal?

Je genauer du weißt, welche Kosten gerade am Anfang auf dich zukommen, desto besser kannst du einschätzen, wie groß die Summe – mindestens – sein muss, die du brauchst, um mit deinem Café zu starten. Plane grundsätzlich einen Puffer ein, denn nur weil du eröffnet hast, brummt der Laden nicht direkt.

Wenn du genauer wissen willst, was dich deine Cafégründung kostet und wie du die Hauptkostentreiber senken kannst, dann lies meinen Blogpost Café eröffnen: Was es wirklich kostet. Dort kannst du dir auch die Checkliste „Gründungskosten“ runterladen.

Liquiditätsplanung in der Praxis

Liquiditätsplanung
Klingt kryptisch, meint aber bloß deine Finanzplanung für die nächsten ein, zwei, drei Jahre. Die Liquiditäts- und Finanzplanung ist ein Teil deines Businessplans. Darin sollten unbedingt enthalten sein: saisonale Schwankungen beim Umsatz, denn wie erfolgreich du sein könntest, hängt auch vom Wetter ab.

Du hast im Mai dein Café eröffnet, aber keine Sitzplätze draußen. Schlecht für dich und deinen Laden, denn bei schönem Wetter in der warmen Jahreszeit zieht es die meisten Leute in die Sonne und bei Hitze ins Grüne oder ans Wasser. Entsprechend weniger wird bei dir los sein, was du unbedingt in deinen Planungen berücksichtigen solltest.

Zwei Tipps dazu von mir:

  1. Tausch dich unbedingt mit anderen Cafébesitzern aus und frag sie, wie sie den Anfang/den Sommer gemeistert haben.
  2. Schreib einen Businessplan für dich, in dem du alles festhältst, was dein Konzept ausmacht.

Du willst einen Businessplanfür dein Café schreiben und hättest dabei gerne Unterstützung?
Dann trag' dich in meine VIP-Liste ein! Ich entwickle gerade den Businessplan Café für dich. Sobald es Neuigkeiten gibt, informiere ich dich.

Du erhältst nach der Anmeldung zur Businessplan-Liste, jeden 2. Dienstag Tipps zur Cafégründung in deinen Posteingang. 

Grund 3: Location passt nicht

Seit Wochen schleichst du um sie rum. Drückst dir die Nase am verstaubten Schaufenster platt und träumst. Was wäre wenn? Könnte hier Wirklichkeit werden, was dir schon so lange durch den Kopf spukt? Vielleicht!

Den richtigen Ort für deine Café zu finden, gestaltet sich ähnlich kompliziert wie die Suche nach dem Traumpartner oder vielleicht sogar noch ein bisschen schwieriger. Denn das tollste Konzept wird nicht fruchten, wenn die Rahmenbedingungen nicht passen. Zu klein, zu groß, zu weit ab vom Schuss oder zu teuer – da gilt es im Vorfeld einiges abzuklopfen.

Von daher: Hast du ein Objekt ins Auge gefasst, fang an, Fakten zu sammeln und vor allem: Schau dir den Laden von innen und in Gänze an – am Besten in Begleitung eines Menschen mit baulichem Wissen. Je mehr du in Erfahrung bringen kannst, desto weniger Leichen erwarten dich später im Keller. Und, schaue dir mindestens drei Objekte zum Vergleich an, bevor du eine Entscheidung triffst.

Checkliste zur Standortwahl

Innenleben:

  • Wie sieht es Innen aus? Gastraum, Musikbeschallung, Küche, Lager, Sanitär, Haustechnik, Be-/ Entlüftung, Brandschutz, Anlieferung, Ver- und Entsorgung
  • Wieviel Lagerplatz hast du?
  • Wie ist der Zustand von z.B. Boden, Decken, Wände, Küche und WC?
  • Inwieweit entspricht der Standort den aktuellen Auflagen des Ordnungsamtes und z.B. der Hygieneverordnung?
  • Wie hoch ist die Ablöse, die du eventuell für Geräte und mehr zahlen sollst?
  • Wie hoch schätzt du deine Umbau- und Renovierungskosten ein?

Drumherum:

  • Wie sieht die Immobilie von außen aus?
  • Hast du Aussensitzplätze?
  • Wieviele Parkplätze musst du abnehmen?
  • Wie ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr?
  • Wer spaziert so vorbei und sind es Leute, die du dir in deinem Café vorstellen könntest?

Kleine Übung: Marktforschung machen und Leute zählen
Setz oder stell dich in die Nähe und zähl an verschiedenen Tagen erst zur gleichen und falls du Muße hast auch zu unterschiedlichen Uhrzeiten, wie viele Leute vorbei laufen. Beobachte sie, mach dir Notizen zu Dingen, die dir auffallen. Haben sie Kinder/ Hunde/ Oma dabei oder fahren grundsätzlich Fahrrad?

Am besten fragst du auch ein paar Passanten direkt zu ihren Wünschen/ Bedürfnissen hinsichtlich deiner Gründungsidee.

Deine kleine Feldstudie gibt dir ein Gefühl für die Gegend und liefert dir auch für deinen Businessplan nützliche Daten.

Grund 4: Gründen im Team geht in die Hose

Ja, alleine gründen ist nicht jedermanns Sache und oft eine einsame Geschichte, weil du alles mit dir selbst ausmachen und entscheiden musst. Bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Du kannst komplett dein Ding durchziehen, musst niemanden um Zustimmung fragen und bist sehr flexibel, weil es intern keiner Abstimmungsprozesse bedarf.

Jedoch wäre es ein Trugschluss zu glauben, dass im Team alles einfacher ist: Geteilte Verantwortung, geteilte Aufgaben, gemeinsame Finanzierung – jeder trägt ein Stück zum Ganzen bei und am Ende sind alle happy und erfolgreich… Klingt fantastisch, birgt aber jede Menge Risiken. Egal, ob du dich mit deinem Partner, alten Schulkameraden oder Schwestern im Geiste selbständig zu machen gedenkst – zusammen arbeiten kann nicht jeder, egal wie sehr ihr euch mögt.

Checkliste „Gründung im Team“:

  • Wer übernimmt welche Aufgaben?
  • Ergänzt ihr euch mit euren Qualifikationen, Fähigkeiten und Stärken?
  • Wie regelt ihr das Finanzielle, wie z.B. Verteilung der Geschäftsanteile, Gewinnverteilung?
  • Wird das Café genügende Gewinn für zwei Teammitglieder abwerfen?

Schreibt es in eurem Businessplan nieder und definiert eure neuen Rollen. Die Ergebnisse solltet ihr auch in einem Gesellschaftervertrag festhalten, der von einem Rechtsanwalt geprüft werden sollte.

Ach ja und ganz wichtig: reden, reden, reden, gerade in der schwierigen Gründungsphase, damit euer Projekt so richtig Fahrt aufnehmen kann und nicht an den Befindlichkeiten einzelner scheitert.

Grund 5: Falscher Stolz

Ein Café zu gründen hat viel mit einem Drahtseilakt über eine unendlich tiefe Schlucht gemeinsam. Da wäre es ein Wunder, wenn du keine Angst vorm Stolpern hättest. Oder Zweifel, dass du das Richtige tust. Du hast den Mut, dein eigenes Konzept von einem Café verwirklichen zu wollen, die Ideen und die Energie, um es durchzuziehen. Trotzdem wirst du an Punkte kommen, wo du nicht weiter weißt und Hilfe brauchst. Such sie dir!

Niemand weiß oder kann alles. Darum gibt es Institutionen und Verbände wie die IHK oder DeHoGa, Vorgründercoachings, Gründerseminare oder Stammtische, die dir wertvolle Tipps und Informationen zu den diversen Aspekten einer Cafégründung geben können. 

Bald kannst du auch von mir geförderte Unterstützung bekommen. Das ist toll, oder? Melde dich an für meinen Newsletter. Dann bleibst auf dem Laufenden über Wichtiges aus der Cafészene, meine Angebote und wann ich dich mit geförderter Hilfe unterstützen kann.

Natürlich möchtest du es allein schaffen, aber selbstgeknüpfte Netzwerke oder der Plausch mit einem befreundeten Cafémenschen helfen dir, dich weiterzuentwickeln. Es erwartet keiner, dass du vor jedem die Hose runterlässt und dich als “Anfänger” zu erkennen gibst. Gleichzeitig schadet es aber auch nicht, wenn du erstmal kleine Brötchen backst, beobachtest und überlegst, was die anderen (noch) besser machen, als du und was du davon für deinen Laden übernehmen könntest.

Tipps für dich:

  • Du hast keine Gastro-Erfahrung? Mache ein Praktikum in einem Café. Dann kannst du testen kann, wie der Café-Alltag ist und für dich selbst überprüfen, ob das Gastro-Feuer heiss genug brennt. In der Theorie ist es oft rosiger als es ist.
  • Erfrage Best Practices bei Cafégründern, die bereits ähnliche Konzepte erfolgreich eingeführt haben. Hier kannst du z.B Fragen stellen, wie: Was waren eure grössten Herausforderungen und Fehler? Was würdet ihr heute genau so wieder machen und was nicht? 

Traum vom eigenen Café: So stellst du die Weichen auf Erfolg

Den wenigsten Cafégründern oder überhaupt werdenden Gastronomen, ist bewusst, was alles auf sie zukommt, wenn sie ihr eigenes Café eröffnen wollen. Viele denken ewig lange darüber nach, wie ihre Café denn heissen wird, welche vegane Frühstücksbowls es geben wird und wie das Café eingerichtet wird. Alles wichtig, aber nicht erfolgsentscheidend. 

Cafégründung: Schritt-für-Schritt Anleitung

Damit dein Traum kein Alptraum wird, empfehle ich dir meine Anleitung: Deine Cafégründung – Vom Traum bis zur Eröffnung.

Dort gebe ich dir jede Menge Impulse mit auf den Weg, wie du aus deinem Lebenstraum „Café eröffnen“ ein Business machst, das dich dann auch finanziell trägt.

>> Hier ist die Anleitung:  Cafégründung: Schritt-für-Schritt zum eigenen Café

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